Delta Airlines – Buchungsprobleme

4. September 2008

Delta Airlines scheint von ihrem erklärten Ziel, die bevorzugte Fluggesellschaft für Menschen mit Behinderung zu sein, noch weit entfernt zu sein. Nach etwa 20 Minuten Gespräch und Warteschleife mit Frau Edda vom Delta Airlines Telefonservice, und vielen unbeantworteten Fragen, beenden wir das Gespräch. Ich bedanke mich herzlich, lege auf, und verfasse ein neues Schreiben an die Mangerin der Customer Care Abteilung von Delta. Diese hatte mir bereits gestern eine E-Mail geschrieben mit der Aussage, dass weitere Informationen zu den Flügen über GELÖSCHT (dem Kooperationspartner von Delta Airlines) nicht eingeholt werden könnten. Hm!

Folgend das Schreiben, in dem ich erneute bitte, mir die für meinen Flug notwendigen Informationen zukommen zu lassen:

Sehr geehrte Delta Air Lines,

vielen Dank für Ihr gestriges Schreiben und die Bestätigung des ‚on-board wheelchair service‘ auf den von Delta Airlines operierten Strecken.

Leider habe ich jedoch noch immer keine konkrete Auskunft über die von GELÖSCHT operierten Strecken. Sie schreiben in Ihrer E-Mail vom 3.9.2008, dass bezüglich des Bordrollstuhls die „Anfrage fuer die von GELÖSCHT operierten Strecken abgelehnt und mit“auf Code-share nicht verfuegbar“ von GELÖSCHT beantwortet wurde. Was bedeutet das in der Praxis für mich?

Am 3.9.2008 habe ich GELÖSCHT daraufhin in einer E-Mail aufgefordert, bezüglich der Rollstuhlanmeldung, der Verfügbarkeit von Bordrollstühlen und Hochklappbarkeit der Armlehnen Antworten zu geben. Beantwortet wurde mein Anliegen heute mit der Aufforderungen, mich telefonisch in der Serviceabteilung zu melden. Ein Anruf bei Frau Steger von der Serviceabteilung von GELÖSCHT ergab folgendes: Die Durchführung der Flüge erfolgt über Delta Airlines, deswegen sei auch Delta Airlines für die Weitergabe der Information an den Passagier verantwortlich. Sie könne mir keine weitere Auskunft geben und verweist mich an Sie – Delta Airlines – um die Informationen einzuholen.

Daher bitte ich Sie nun erneut, folgende Information zu den von GELÖSCHT operierten Strecken für mich in Erfahrung zu bringen:
1. Ist mein Rollstuhl auf allen von GELÖSCHT betriebenen Strecken bestätigt worden?
2. Gibt es auf den Strecken einen ‚on-board wheelchair service‘, d.h. ist ein Bordrollstuhl verfügbar mit denen ich die Toiletten erreichen kann? Bitte spezifisch ausführen, welche Strecken über einen solchen Bordrollstuhl verfügen.
3. Verfügen die für mich vorgesehene Sitzplätze über hoch- und runterklappbare Armlehnen?

In Ihrer E-Mail schreiben Sie, dass „Sitzplatzreservierungen bei Delta-Airlines nie garantiert werden können“. Das sieht Thomas Brandt, Geschäftsführer Delta Air Lines Deutschland, jedoch anders. Er hat in einer Rede vom 29.5.2008 gesagt und diese Worte in der Dokumentation der Rede schriftlich fixiert, dass Sitzplätze, die über klappbare Armlehen verfügen, im voraus buchbar sind. Darüber hinaus sagt er sogar, dass speziell für Passagiere mit Behinderung bestimmte Sitzreihen mit mehr Beinfreiheit oder Bewegungsfreiheit im Voraus  reservierbar sind. Sollten solche Sitzreihen mit mehr Beinfreiheit auch auf meinen Flügen verfügbar sein, würde ich diese hiermit gerne reservieren.

mit freundlichen Grüßen
Kay Macquarrie

Delta Airlines – ein Profil

3. September 2008

Delta Airlines hat es sich zum Ziel gesetzt, die bevorzugte Fluggesellschaft für Menschen mit Behinderung zu sein (Quelle: Thomas Brandt, Geschäftsführer Delta Air Lines Deutschland, Konferenz barrierefreies Fliegen 2008, PDF). Die folgenden 3 Punkte bilden den Kern dieses Mission Statements:

  1. „Operational Excellence“, d. h. wir investieren in Quellen, die Reisen universell zugänglich machen. Also keine Ausnahmen, sondern generelles Design oder Prozesse schaffen. Die Prozesse müssen dafür transparent sein und alle Anpassungen müssen wie selbstverständlich wirken.
  2. Den „Second Mile Service“ – also über das Normale hinaus zu gehen, um den Kunden zum wahren Delta-Fan zu machen. Es ist also mehr als eine universelle Kundendienstaussage. Es geht darum, zu identifizieren, was der Kunde braucht und seine Erwartungen jedes Mal ein wenig mehr zu übertreffen, damit der Kunde auch wiederkommt.
  3. Und „Gefühlsmäßige Verbindungen“ aufzubauen. Im Geschäftsleben geht es um Beziehungen. Es geht hier um Vertrauen und Vertrauen ist unser Geschäft. Nämlich dass wir Passagiere sicher und zuverlässig befördern.

Und nun zu den konkreten Ableitungen der Kernpunkte:

Wichtig ist für uns, dass die Prozesse, die wir anbieten, keine Ausnahme für bestimmte Personen bilden, sondern eine generelle Zugänglichkeit (Stichwort Universelles Design) für jeden Passagier, unabhängig von einer Behinderung. An Bord sollen sein:

  • Stauraum für einen klappbaren Rollstuhl in Flugzeugen mit mehr als 100 Sitzen
  • klappbare Armlehnen an 50 % aller Gangplätze; diese Plätze sind auch im Voraus buchbar
  • speziell für Passagiere mit Behinderung sind bestimmte Sitzreihen mit mehr Beinfreiheit oder Bewegungsfreiheit im Voraus zu reservieren, was für Passagiere ohne Behinderung nicht möglich ist
  • Die Informationen stehen natürlich auch den Reisebüros zur Verfügung. Das heißt, der Kunde ist nicht unbedingt darauf angewiesen, zu uns zu kommen, um diese Dienstleistungen zu buchen. Das Reisebüro kann sich ebenfalls über die Website informieren und entsprechende Dienstleistungen für den Kunden anfragen, z. B. die Platzreservierung.
  • Bei allen Flugzeugen, die zwei Gänge haben, ist mindestens eine Toilette so ausgelegt, dass der Gang vor der Toilette komplett abgeblockt werden kann, um einfach den Aktionsradius zu vergrößern.
  • Das Kabinenpersonal wird regelmäßig im Umgang mit behinderten Menschen geschult.

Die Ziele lesen sich schon ganz gut, bleiben jedoch hinter den amerikanischen Bestimmungen (14 CFR Part 382, Nondiscrimination on the Basis of Disability in Air Travel, PDF) zurück, in denen beispielsweise gefordert wird, dass in Flugzeugen mit einer Mindestgröße von 60 Sitzplätzen, bei vorheriger Anmeldung ein Bordrollstuhl zur Verfügung gestellt werden muß (siehe hier).  Auch ist mehr „Aktionsradius“ um eine Bordtoilette zwar besser als kein Aktionsradius, dennoch wird die schmale Toilettenkabine durch einen davor gehängten Vorhang nun einmal nicht barrierefreier. Auch hier fordert die EU Verordnung im Grunde mehr, als von Delta umgesetzt.

Interessant ist, dass dieses Mission Statement auf der Website von Delta Airlines selber nicht nachzulesen ist. Auch die einzelnen konkreten Umsetzungen werden auf der Seite höchstens ansatzweise formuliert. Warum bloß nicht? Allein die permanente Verfügbarkeit eines Bordrollstuhl findet Erwähnung, so heißt es auf der Seite von Delta Airlines:

Alle unsere Flugzeuge haben einen Bordrollstuhl. Diese Rollstühle sind speziell entworfen, um im Mittelgang unserer Flugzeuge Platz zu finden und können von unseren Passagieren benutzt werden, wenn Sie die Toilette aufsuchen oder von der Toilette zurückkehren wollen. (Zitat vom 3.9.2008)

Bei meiner anstehenden Reise geht es mit Delta Airlines in die USA. Ob tatsächlich alle Flugzeuge von Delta Airlines über einen Bordrollstuhl verfügen, wird sich zeigen.

Mobilität für alle

3. September 2008

Folgend ein Auszug aus dem Vortrag „Mobilität für alle – Eine Herausforderung für Europa“ von Dr. Volker Sieger. Der Leiter des IbGM (Institut für barrierefreie Gestaltung und Mobilität) hatte im Rahmen der Europäischen Konferenz zur Intergration behinderter Menschen am 11./12. Juni 2007 eine Bestandsaufnahme zur Barrierefreiheit in Deutschland und Europa gegeben und seine Sicht der Dinge dargestellt.

Der Auszug aus seiner Rede schildert den Status Quo der Barrierefreiheit im Flugverkehr:

Mit der im Jahr 2006 beschlossenen Verordnung über die Rechte von behinderten Flugreisenden (Nr. 1107/2006) wurde die diskriminierungsfreie Beförderung im Luftverkehr durch die EU umfassend geregelt. Der Ausschluss von einer Flugreise auf Grund einer vorliegenden Behinderung oder Mobilitätseinschränkung ist nur noch innerhalb eng gesteckter Grenzen, beispielsweise aus Sicherheitsgründen, möglich. Zwar besteht aus meiner Sicht an dem einen oder anderen Punkt der Verordnung durchaus Verbesserungspotenzial. Ungeachtet dessen ist damit jedoch die diskriminierungsfreie Beförderung behinderter und in ihrer Mobilität eingeschränkter Personen vom Grundsatz her geregelt worden. Über eine mögliche und aus meiner Sicht notwendige Anhebung der Entschädigungshöchstgrenzen für beschädigte oder verloren gegangene Hilfsmittel läuft derzeit eine Untersuchung, deren Ergebnisse abzuwarten bleiben.

Zwar appelliert die angesprochene Verordnung an Flughafenbetreiber und Fluglinien gleichermaßen, beim Bau oder der Renovierung neuer Flughäfen und Abfertigungsgebäude bzw. bei der Neuanschaffung oder Neugestaltung von Flugzeugen so weit wie möglich die Bedürfnisse von behinderten und in ihrer Mobilität eingeschränkten Fluggästen zu berücksichtigen. Eine Verpflichtung zur barrierefreien Gestaltung, die den Belangen der Betroffenen in der Praxis tatsächlich gerecht wird, ist damit jedoch nicht verbunden. Während die barrierefreie Neugestaltung von Flughäfen und Abfertigungsgebäuden noch ein relativ unproblematisches Unterfangen darstellt, sofern das Baurecht des jeweiligen Mitgliedsstaates hierzu entsprechende Regelungen enthält, sieht es bei der Zugänglichkeit und Kabinengestaltung von Flugzeugen viel problematischer aus.

Leider existieren in Europa keine auf die Bedürfnisse behinderter Menschen tatsächlich zugeschnittenen Mindeststandards für die barrierefreie Gestaltung von Flugzeugen. Für einen nicht unerheblichen Personenkreis bedeutet dies, dass er trotz vorhandener Hilfeleistungen nicht diskriminierungsfrei mit dem Flugzeug verreisen kann. Den Betroffenen wird abverlangt, ihre Mobilitätshilfe – in der Regel einen auf ihre Bedürfnisse angepassten Rollstuhl – gegen ein auf die Zugänglichkeit eines Flugzeuges zugeschnittenes Hilfsmittel einzutauschen und sich darüber hinaus von fremden Personen tragen zu lassen. Mindestens ebenso gravierend ist, dass für sehr viele behinderte Menschen keine Zugänglichkeit und Nutzbarkeit der Bordtoilette gegeben ist.

Aus meiner Sicht besteht hinsichtlich der Implementierung von Mindeststandards für die Flugzeuggestaltung, durch welche Diskriminierung tatsächlich und für alle verhindert wird, dringender Handlungsbedarf. Damit weiß ich mich im Übrigen in Übereinstimmung mit der UN-Konvention für die Rechte behinderter Menschen, die die Vertragsstaaten auffordert, Mindeststandards für den barrierefreien Zugang zu erlassen und ihre Umsetzung zu überwachen. Angesichts der Besonderheiten des Luftverkehrs können solche Standards nur europaweit festgeschrieben werden.

Die gesamte Rede ist hier als PDF herunterladbar.

Der Hamburger Kessel

30. August 2008

Kein Klo auf Kurzstreckenflügen? Macht ja auch nichts, der Flug ist wie der Name schon sagt nur von kurzer Dauer, oder?

Nach Auffassung der Fluggesellschaften schon. Denn würden sie ihren Passagieren sonst ernsthaft zumuten, kein Klo aufsuchen zu dürfen? Wohl eher nicht. Das wäre dann wie der berühmte Hamburger Kessel auf dem Heiligengeistfeld. Bei diesem wurden über 800 Demonstranten gegen das Atomkraftwerk Brokdorf durch  Polizisten eingekesselt und durften 5 Stunden lang kein Klo benutzen. Uriniert wurde damals an Ort und Stelle.

Den Hamburger Kessel erleben Flugpassagiere, die ohne Bordrollstuhl keine Toilette aufsuchen können, täglich: im Europäischen Flugverkehr bei der Deutschen Lufthansa, bei Delta Airlines, bei Swiss Air und bei allen anderen Fluglinien. Es gibt keine Fluggesellschaft, die auf Kurzstreckenflügen PRM’s Zugang zu ihren Toiletten verschaffen. Eine Situation vergangener Zeiten? Mitnichten!

Aber wie lang ist ein Kurzstreckenflug? Ein Beispiel: Ein durchschnittlicher Flug von Hamburg  nach Palma de Mallorca dauert 2 Stunden und 40 Minuten. Hinzukommen 30 Minuten Preboarding, weil ein mobilitätseingeschränkter Passagier verpflichtet ist, vor allen anderen Passagieren in den Flieger zu gehen. Leider ist er auch verpflichtet, als letzter Passagier das Flugzeug zu verlassen. Es kommen im Schnitt also noch 30 Minuten Wartezeit hinzu. Da die WC Anlagen im Checkin Bereich in der Regel nicht barrierefrei sind, kommen gut und gerne 20 Minuten hinzu. Summiert ergibt die sogenannte Kurzstrecke geschlagene 4 Stunden. Und die können ungeheuer lang werden.

Im Hamburger Kessel waren es 5 Stunden. In einem Kurstreckenflug nach Spanien sind es für mobilitätseingeschränkte Menschen im Schnitt 4 Stunden. Und dies auch nur dann, wenn alles planmäßig läuft! Ein Kurzstreckenflug heißt also nicht, dass er von kurzer Dauer ist.

Letztendlich ist es einerlei, ob es 1 Stunde ist oder 4 Stunden: Wenn ein Passagier auf Klo muss, sollte die Fluggesellschaft sich ihrer Verantwortung stellen und den Zugang ermöglichen.

Die Menschen im Hamburger Kessel haben übrigens jeweils 200 Mark Entschädigung bekommen und die verantwortlichen Polizeiführer wurden wegen Freiheitsberaubung verwarnt (Quelle: Wikipedia).

Nachgehakt bei der EU

30. August 2008

Nach wie vor der neuen EU Verordnung zum barrierefreien Flugverkehr gibt es auf sogenannten Kurzstreckenflügen keinen Zugang zum Klo. Um mobilitätseingeschränkten Passagieren den Weg zur Toilette zu ermöglichen, müßten die Fluggesellschaften einen Bordrollstuhl zur Verfügung stellen. Die Deutsche Lufthansa als größtes deutsches Flugunternehmen weigert sich jedoch hartnäckig die Anfrage von RechtAufKlo zu bestätigen, ob sie bei Bedarf einen Bordrollstuhl zur Verfügung stellt.

Woran liegts? Die EU Verordnung verpflichtet die Fluggesellschaften „Hilfestellungen“ zu leisten, um den Weg zur Toilette zu ermöglichen.  Eine sehr allgemeine Formulierung, die viele Bilder im Kopf hervorruft: ein tatkräftiger Steward greift zu, schultert den mobilitätseingeschränkten Passagier und ermöglicht somit den Transfer. Auf diese Weise würde die Fluggesellschaft dann in der Tat die geforderte Hilfestellung auf cowboygerechte Art leisten. Ist es das, was die EU sich vorstellt?

RechtAufKlo fragt nach bei der EU Kommission. Folgend die Anfrage in der übersetzten Fassung (hier die Originalfassung vom 30.8.2008 in englischer Sprache):

Sehr geehrte EU Kommission, sehr geehrter Herr Faross, sehr geehrter Herr Dussart,

es geht um das Thema Flugrechte für PRM’s und speziell um die Frage nach dem Vorhandensein eines Bordrollstuhls auf Kurzstreckenflügen.

Auch nach Inkrafttreten der EU Verordnung 1107/2006 scheinen Fluggesellschaften mobilitätseingeschränkten Passagieren keine adequate Hilfestellung zu leisten, um auf europäischen Kurzstreckenflügen eine Toilette an Bord eines Flugzeuges nutzen zu können. Die Deutsche Lufthansa zum Beispiel verspricht zwar die prinzipielle Einhaltung der Verordnung. Allerdings konkretisiert sie auch auf mehrfache Anfrage hin nicht, wie die praktische Umsetzung erfolgt: So bestätigt sie nicht, ob bei Bedarf ein Bordrollstuhl zur Verfügung steht, mit dem der rollstuhlnutzende Passagier eine Toilette erreichen könnte.

Leider ist eine entsprechende Spezifizierung, wie eine solche „Hilfeleistung“ auszusehen hat, die allen Passagieren einen Zugang zur Toilette verspricht, nicht Teil der EU Verordnung. Hier steht lediglich: ANHANG II, Hilfeleistung des Luftfahrtunternehmens: „Erforderlichenfalls Hilfe, um zu den Toiletten zu gelangen.“

Was genau bedeutet diese Forderung für die Airlines? Sind sie verpflichtet, Bordrollstühle mit sich zu führen? Tatsache ist: Nur ein Bordrollstuhl würde einen Transfer vom Sitz zur Toilette ermöglichen.

Meine Frage ist: verpflichtet die EU Verordnung 1107/2006 die Fluggesellschaften dazu, einen Bordrollstuhl auf Kurzstreckenflügen zur Verfügung zu stellen?

mit freundlichen Grüßen
Kay Macquarrie

USA Flug mit flug.de: Buchung

20. August 2008

Langsam wirds spannend. Bei meinem Flug mit Delta Airlines – gebucht über das Internet Reise Büro flug.de – zeichnen sich die gleichen Herausforderungen am Firmament ab, wie ich sie fast immer erlebe beim Buchungsprozedere für Flugreisen: freundliche aber ungeschulte MitarbeiterInnen an Hotlines und Schwierigkeiten beim Anmelden des Rollstuhls für die Flüge.

Letzter Stand über den Anmeldestatus: flug.de kann “keine feste Zusage für die Bestätigung der Mitnahme des Rollstuhls geben. Da die Airline diese Anfrage erst einmal überprüfen und danach genehmigen muss, bitten wir Sie um ein wenig Geduld. Sobald wir eine positive Rückmeldung der Fluggesellschaft DeltaAirlines erhalten haben, werden wir Sie umgehend darüber in Kenntnis setzen.”

Ich hoffe, dass ich auch dann informiert werde, wenn flug.de eine „negative“ Rückmeldung der Fluggessellschaft erhält.

Nachtrag 20.8 18:00 Uhr: flug.de hat auf eine erneute Anfrage nun ausführlich geantwortet.

Liebe Lufthansa

31. Juli 2008

viele Leserinnen und Leser haben die Korrespondenz verfolgt, die wir in den letzten Wochen miteinander geführt haben. Und sie fragen sich noch immer: kommen Rollstuhlfahrer bei der Lufthansa aufs Klo?

Ihr Schreiben von heute enthielt zu dieser Frage einen einzigen Satz: „Selbstverständlich berücksichtigt die Lufthansa die Regelungen aus der EU-Verordnung 1107/2006.“ Es freut mich natürlich, dass Sie prinzipiell bereit sind, die EU Verordnung zu berücksichtigen. Leider heißt es in der EU Verordnung etwas allgemein: „Erforderlichenfalls Hilfe, um zu den Toiletten zu gelangen.“ Was jedoch bedeutet diese Verordnung konkret?

Als Passagier mit Mobilitätseinschränkungen frage ich mich nun, wie Sie es umsetzen , dass alle Passagiere Zugang zu einer Toilette haben. Daher die berechtigte und menschliche Frage nach dem Vorhandensein eines Bordrollstuhls.

Liebe Lufthansa, die EU Verordnung verpflichtet Fluggesellschaften, „wesentliche Informationen über einen Flug in zugänglicher Form“ mitzuteilen. Ich fordere Sie nun nochmals auf, eindeutig auf meine Frage zu antworten:

Führt die Deutsche Lufthansa an Bord Ihrer Flüge einen Bordrollstuhl mit sich, der mobilitätseingeschränkten Personen den Transfer zu einer Toilette ermöglicht?

Für mich und meine Leserschaft wäre es im übrigen vollkommen ausreichend, wenn Sie mit einem einfachem Ja oder einem klaren Nein antworten.

mit freundlichen Grüßen
Kay Macquarrie

Neue EU-Verordnung – Lufthansa lässt weiter auf sich warten

22. Juli 2008

Am Samstag, dem 26.7.2008 tritt die neue EU-Verordnung zum barrierefreien Reisen in Kraft. Doch sind die Fluggesellschaften vorbereitet?

Recht auf Klo hakt nach bei der größen deutschen Fluggesellschaft – der Deutschen Lufthansa – und fragt:

Wird die Deutsche Lufthansa in Zukunft Bordrollstühle mit sich führen, die den Transfer zu einer Toilette ermöglichen?

Das Schreiben mit der Frage wurde am 1.07.2008 per E-Mail an die Lufthansa geschickt – bislang steht ein Antwortschreiben aus.

*** NEU: am 29.7.2008 ist per E-Mail ein Erinnerungsschreiben an die Lufthansa gegangen, da ein Antwortschreiben noch immer aussteht. ***

Was kann gemacht werden, wenn die Fluggesellschaften gegen die EU Verordnung verstoßen – wie zum Beispiel, wenn der Weg zur Toilette nicht ermöglicht wird? In einer E-Mail schreibt die Bundesbeauftragte Frau Karin Evers-Meyer, dass diese Verstöße an das Luftfahrtbundesamt gerichtet werden können.

Kein Klo in Sicht

6. Juli 2008

Mit der neuen EU Verordnung, die am 26.7.2008 in Kraft tritt, wird zwar der Transfer zur Flugzeugtoilette möglich, siehe PDF APSC, Anhang II (englische PDF Fassung hier).

Unverständlicherweise gibt es keinen Passus über die Barrierefreiheit der Toilettenkabine (Quelle EU Kommission). Das bedeutet, dass Menschen mit Mobilitätseinschränkungen auch künftig kein Klo benutzen können, denn: die vorhandenen Toiletten sind zu klein, um mit dem Bordrollstuhl in die Kabine hinein fahren zu können.

Lufthansa lenkt ein

1. Juli 2008

Nun also doch: die Deutsche Lufthansa will mobilitätseingeschränkten Passagieren den Weg zum Klo ermöglichen.

Nachdem die Lufthansa zunächst ankündigte „keine zukunftsnahe Änderung in Aussicht stellen können“ um einen barrierefreien Zugang zum WC zu ermöglichen, lenkt sie in einer E-Mail vom 30.6.2008 ein. Jetzt heißt es: Die Lufthansa leistet „erforderlichenfalls Hilfe um zu den Toiletten zu gelangen“.

Ab dem 26. Juli 2008 tritt die EU Verordnung zum barrierefreien Fliegen in Kraft (Nr.1107/2006). Ab dann sind Fluggesellschaften auch auf Europäischen Flügen verpflichtet, Hilfeleistungen zu geben, um zu den Toiletten zu kommen.

Wie es in der Praxis aussieht, wird sich zeigen: Die Flugzeuge der Lufthansa verfügen weder über ausreichend große Toilettenkabinen noch über Bordrollstühle, die den Transfer vom Sitz zum WC ermöglichen.

Über Erlebnisse von mobilitätseingeschränkten Flugpassagieren, denen der Zugang zu einer Toilette an Bord von Flugzeugen verwehrt bleibt, würde ich mich sehr freuen.

Menschenwürde – Klage mit Erfolg

19. Juni 2008

Hoffnung für Flugpassagiere.  Bis heute können mobilitätseingeschränkte Passagiere aufgrund der Weigerung von Fluggesellschaften Barrierefreiheit auf Kontinentalflügen zu gewährleisten noch immer kein WC aufsuchen.

Jetzt entschied das Oberlandesgerichts (OLG) Hamm in einem Urteil: Es liegt bereits ein Verstoß gegen die Menschenwürde vor, wenn die Toilette in der Zelle nicht durch einen Sicht-, Geräusch- und Geruchsschutz abgegrenzt ist. Die Kläger können auf Schmerzensgeld hoffen. (Quelle: Sueddeutsche Zeitung (Print) vom 19.06.2008).

Für mobilitätseingeschränkte Flugpassagiere bedeutet dieses Urteil, das mögliche Klagen gute Aussicht auf Erfolg haben. Bei Ihnen geht es schließlich nicht nur um das Recht auf Privatssphäre, sondern um einen Zugang zur Toilette überhaupt.

Lufthansa verstößt gegen EU Recht

18. Juni 2008

Die Deutsche Lufthansa hat in einer E-Mail Anfrage bestätigt, auch weiterhin keinen Zugang zu Toiletten für mobilitätseingeschränkte Passagiere ermöglichen zu wollen. Wortwörtlich heißt es in dem Schreiben der Lufthansa vom 18.6.2008, dass sie „keine zukunftsnahe Änderung in Aussicht stellen“.

Auch nach Inkrafttreten der EU Verordnung Nr.1107 am 26.07.2008 werden PRM’s also keine Toilette aufsuchen können. Damit verstößt die Lufthansa gegen dann geltendes EU Recht.

In der Verordnung heißt es im Anhang II Hilfeleistung des Luftfahrtunternehmens: „Erforderlichenfalls Hilfe, um zu den Toiletten zu gelangen.“

barrierefrei fliegen – Kurzbericht zur ILA 2008

30. Mai 2008

Im Rahmen der ILA 2008 trafen sich mehrere Vertreteter aus unterschiedlichen Bereichen rund um die Luftfahrt. In einem ganztägigen Workshop wurden die Probleme und Barrieren beim Fliegen angesprochen und diskutiert.

:: Frau Dr. Arnade referiert über die Herausforderung für PRM’s beim Fliegen. Neben ihr im Bild: Christophe Dussart (EU), Alexander Quegwer (Büro Behindertenbeauftragte), Thomas Brandt (Delta Airlines).

Leider konnte man sich des Gefühls nicht erwehren, dass die Diskussion um Barrierefreiheit und Achtung der Rechte von mobilitätseingeschränkten Passagieren schon vor langer, langer Zeit hätte stattfinden müssen. Ob der Dialog zu sichtbaren Veränderungen führen wird?


:: Demonstrationsschild gegen die Deutsche Lufthansa.

Eines jedoch kann mit Sicherheit gesagt werden: zugängliche Toilettenkabinen in europäischen Flugstrecken wird es weder in naher noch in ferner Zukunf geben. Traurig, aber wahr.

Berichterstattung in anderen Medien

> Deutsche Welle World 31.5.2008 Artikel „Wenn Fliegen zur Qual wird“ (Autor: Jan M. Schäfer)

Download:Bericht als PDF
> Deutsche Welle 3.6.2008 Hörbeitrag – Download als MP3 | zum Beitrag auf Deutsche Welle Online DidAktuelles
> kobinet 30.5.2008 Fachkonferenz barrierefreier Luftverkehr – Chancen und Nutzen
> bizeps 31.5.2008 Fachkonferenz barrierefreier Luftverkehr – Chancen und Nutzen
> kobinet 2.6.2008 Flugzeuge künftig ohne Toiletten
> deutschlern.net zum interaktiven Lernartikel „Wenn Fliegen zur Qual wird“

Kein Bordrollstuhl bei der Lufthansa

30. Mai 2008

Die Deutsche Lufthansa AG stellt auf deutschen und europäischen Flügen auch bei Voranmeldung keinen Bordrollstuhl bereit. Ein Bordrollstuhl würde mobilitätseingeschränkte Passagiere (PRMs) den Weg zur Toilette ermöglichen. Die Deutsche Lufthansa schreibt auf Anfrage hierzu:

In der Tat ist es bedauerlicherweise auch auf Voranmeldung hin nicht möglich, auf Kurzstreckenflügen einen Bordrollstuhl zur Verfügung zu stellen.

Nachtrag 21.10.2011
Seit 2011 bietet die Lufthansa auf vielen innereuropäischen Flügen einen Bordrollstuhl, siehe meinen Beitrag „Lufthansa mit Pioniergeist„. Allerdings gilt dieses nicht für alle Flüge und nicht automatisch für jene, die durch Tochtergesellschaften ausgeführt werden. Beim meinem letzten Flug mit der Lufthansa, der mit Eurowings durchgeführt wurde, war auf zwei Strecken (Hamburg/Düsseldorf und Düsseldorf/Nizza) kein Bordrollstuhl verfügbar.

ILA 2008

26. April 2008

Im Rahmen der ILA 2008 – der internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung – wird am 29. Mai 2008, 10:00 – 18:00 Uhr eine Konferenz mit dem Namen Barrierefreiheit im Flugverkehr – Chancen und Nutzen? durchgeführt.

Flyer Lufthansa gegen Barrierefreiheit

:: Der Flyer „Lufthansa ungleich Barrierefreiheit“ verdeutlicht den Mangel an Barrierefreiheit in Flugzeugen. Hier am Beispiel der Deutschen Lufthansa.

> druckbare PDF’s: deutsche Version / english version

Konferenztitel: Barrierefreiheit im Flugverkehr – Chancen und Nutzen?
Themenkategorie: Kommerzieller Luftverkehr, Politik und Wirtschaft
Veranstaltungsort: Konferenzzentrum Schönefeld-Nord, Raum MIKE
Veranstalter: Die Beauftragte der Bundesregierung f.d. Belange behinderter Menschen, Mauerstraße 53, 10117 Berlin

Mehr in Kürze.