Lufthansa mit frischen, fabrikneuen Bordrollstühlen ausgestattet
Auch die Bordcrew war positiv überrascht und wollte den neuen Bordrollstuhl gleich ausprobieren. Wir warteten allerdings bis alle Passagiere auf dem Flug zwischen Hamburg und München mit Getränken versorgt waren.
Dann wurde der Rollstuhl entpackt und entfaltet. “Ganz leicht”, wie die beiden Stewardess erzählten. Allein das Schieben und Ziehen des Minirollstuhls durch den Gang zur Toilette ist etwas beschwerlich. Der Gang ist eng und die Rollen tun sich schwer mit dem Teppichfussboden. Ansonsten funktioniert der Minirollstuhl problemlos.
Auch vom Gewicht leicht: geschätzte fünf Kilogramm
Lufthansa will diesen Bordrollstuhl in Zukunft auf allen eigenen Strecken als festes Equipment mitführen (Überraschungsanruf von Lufthansa). Auch wenn über diesen neuen Service auf Kurzstrecken noch immer nichts geschrieben steht auf der Lufthansa Homepage!!
So, Phase I der Petition für barrierefreies Fliegen ist gezündet. Jetzt müssen die Toilettenkabinen noch so umgestaltet werden, dass sie für Bordrollstühle zugänglich werden.
Definitiv ein Thema für die Konferenz auf der ILA 2010 ( mehr auf Kobinet).
Jetzt hab’ ich sie! Die schriftliche Bestätigung, dass Lufthansa auf einem innerdeutschen Flug ein Bordrollstuhl bereitstellt.
Geht doch.
Erst wollten sie nicht (Troubles with Lufthansa), dann schrieb ich an Facebook und auch direkt an Lufthansa. Und jetzt scheint es doch möglich zu sein.
Aus der Kundenleitung der Lufthansa heißt es:
Gerne bestätige ich Ihnen heute schriftlich, dass wir für Ihre Reise nach München einen Bordrollstuhl für Sie zur Verfügung stellen werden. Die Leiterin des Betreuungsdienstes ist über Ihre Reisedaten informiert und wird dafür sorgen, dass der Bordrollstuhl für Sie bereitsteht. Einen entsprechenden Bestätigungsvermerk werde ich auch noch in Ihrer Buchung vornehmen.
So, wenn das ganze in Zukunft ohne Nachfragen funktioniert und ohne Spezialemail (die ich hier leider nicht veröffentlich darf) werde ich überzeugter Fan der Lufthansa.
Quite strange. Roughly a week ago, I got a call from Lufthansa (Überraschungsanruf von Lufthansa, German). A lady briefed by the management board declared: Dear passenger, we now offer on-board wheelchairs. Not only one which is provided in case of a need, but also one which belongs to the permanent equipment of an airplane.
Wow! I thought. Lufthansa is about to improve and they even forge ahead of all European Airlines. Maybe even of all American Airlines, too. (US Airlines are usually most sensible concerning accessibility issues.)
I book a flight from Hamburg to Munich. Everything works fine, I receive the ticket, but: No confirmation for the on-board wheelchair (WCOB)!!
My travel agency calls Lufthansa and tries to find out what’s the problem. Their answer: Lufthansa does not offer on-board wheelchairs on short haul flights!
Jes’! It’s a constant back and forth. Why cant Lufthansa be clear about whether they have an aisle chair or not?!
The lady who called me, gave me her email in case “something goes wrong”. Ok. 48 hours ago, I wrote her an email. But no answer yet…
96 hours later…
Got Mail from Lufthansa: They confirm the aisle chair on a national flight. Took them some time, but finally it seems to work.
Im Sommer machte ich den Praxistest und flog mit der Lufthansa – ohne Bordrollstuhl. Wunsch und Wirklichkeit könnten kaum weiter auseinanderklaffen.
Ob die Lufthansa diesmal zu ihrem Versprechen steht – Zeit und Erfahrung werden es zeigen!
Aber: Geradezu bahnbrechend erscheint die Aussage aus einem anderen Grund. Zur Zeit prüft die Bundesregierung, ob sie der Europäischen Kommission die Empfehlung geben soll, alle Airlines zu verpflichten, Bordrollstühle mitzuführen.
Angesichts eines mittlerweile abgeschlossenen Petitionsverfahrens, in dem sich die (alte) Bundesregierung klar zu Chancengleichheit und Barrierefreiheit bekennt, empfinde ich alleine die Fragestellung schon fast als persönlichen Angriff.
Höchst erfreulich daher das Statement der Lufthansa: Bordrollstühle werden fest an Bord der Kontinentalflotte mitgeführt. Das gilt vorerst für die eigene Flotte. Auf kleineren Flugzeugen und bei Fliegern von Partnerunternehmen werde der Bordrollstuhl bei Bedarf bereitgestellt.
Da kann der Bundestag ihre aufwändige Recherche einstellen zur Frage, ob ein Bordrollstuhl überhaupt in einen Kurzstreckenflieger passt! Die Wirklichkeit hat die Politik scheinbar überholt.
Und zum Abschluss ein paar Antworten von der Lufthansa zu diesen Fragen:
Warum sollte ich glauben, dass es die Lufthansa jetzt ernst meint?
Bordrollstühle gibt es seit Inkrafttreten der Flugverordnung. In der Übergangszeit hätte es Probleme gegeben, da die Mitarbeiter nicht alle gleich gut informiert waren. Die klare Aussage: Wird der Bedarf 48 Stunden vor Antritt der Reise angemeldet, wird ein Bordrollstuhl bereitgestellt.
Warum bewirbt die Lufthansa noch immer nicht, dass sie Bordrollstühle auch auf der Kurzstrecke anbietet?
Das wäre der Lufthansa unbekannt, werde aber in die To-Do-Liste aufgenommen. (Anmerkung: Scheinbar sind die Serviceseiten für barrierefreies Reisen bei der Lufthansa seit Jahren nicht mehr aktualisiert worden. Im November 2008 wurde in diesem Blog auf das Kommunikationsdefizit hingewiesen.)
Warum kann ich bei der Lufthansa den Hilfsbedarf nicht direkt bei der Buchung anmelden, was bei Ryanair bereits seit langem gängige Praxis ist?
Das sei bewusst so gehandhabt: Bei so vielen unterschiedlichen Behinderungen, wäre es besser, wenn das geschulte Personal den genauen Bedarf feststellt. (Anmerkung: Aha!)
Und sagt: ein Recht auf Klo gibt es nicht! Jedenfalls nicht im deutschen Flugverkehr.
Warum nicht? Im Wortlaut heißt es auf Seite Vier der siebenseitigen Begründung (PDF):
Im deutschen Flugverkehr würden häufig Flugzeuge eingesetzt, die den Transport eines Bordrollstuhls aus Platzgründen nicht zulassen.
Die Konsequenz:
Einschränkungen müssen hier zwangsläufig für jeden Reisenden – insbesondere beim Besuch der Bordtoilette – in Kauf genommen werden.
Zur Erinnerung sei festgehalten, dass ein moderner Bordrollstuhl im gefalteten Zustand in etwa die Ausmaße einer Handtasche hat… Doch: Wo kein Wille da kein Weg, möchte man an dieser Stelle denken.
Etwas Gutes bringt die Petition dennoch zu Tage:
Ich habe die Unterstützung von vielen Freunden und MitzeichnerInnen nicht nur aus Deutschland und Europa erfahren. Herzlichen Dank an Euch, das ist toll!
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik ist seitdem ein treuer Begleiter und regelmäßiger Besucher dieses Blogs.
Nicht verschweigen möchte ich ferner, dass der Petitionsausschuss auch lobende Worte findet. So heißt es, dass das Engagement des Petenten zur Schaffung von Barrierefreiheit im Flugverkehr ausdrücklich begrüßt wird.
Nach Ansicht des Bundestags konnte die Petition bereits Ziele verbuchen. So würde die Lufthansa allen Passagieren bei Bedarf einen Bordrollstuhl bereitstellen. (Seltsam nur, dass ich bei meinem jüngsten Flug mit der Lufthansa wieder ohne Bordrollstuhl fliegen mußte. Na ja.)
Und noch eine Perspektive zum Schluß:
Alle europäischen Staaten sollen der EU Anfang 2010 mitteilen, ob die Flugverordnung ausreichend umgesetzt wird. Auch in Deutschland steht eine Evaluierung an. Das Verkehrsministerium hat daher den Auftrag bekommen, dem Bundestag bis Ende 2009 schriftlich mitteilen, ob und wie die Forderung aus der Petition in dem Bericht berücksichtigt werden.
Vieles deutet hin auf eine finale Entscheidung in Brüssel oder Straßburg. Es bleibt spannend.
Sitz des Europäischen Gerichtshofs (Bild Wikipedia)
So oder so ähnlich stelle ich mir die Meldung auf spiegel.de vor.
Dann, wenn die Deutsche Lufthansa endlich beisteuert und den kleinen, aber so hilfreichen Bordrollstuhlfür Passagiere mit Mobilitätseinschränkung bereitstellt.
Bis dahin allerdings läuft alles seinen demokratisch vorgesehen Weg
Beschwerde bei der Deutschen Lufthansa einreichen (erledigt)
Beschwerde muss beantwortet werden und der Beschwerdesteller ist mit der Antwort nicht zufrieden (erledigt, denn das bin ich nicht)
Beschwerde bei der nationalen Durchsetzungsstelle einreichen, in Deutschland das Luftfahrtbundesamt LBA (heute erledigt)
und wenn die Antwort vom LBA unbefriedigend ausfällt, geht es früher oder später nach Luxemburg zum Europäischen Gerichtshof.
rechtaufklo hakt nach bei der Lufthansa. Diese hatten angekündigt, ihre “Classic Flotte” mit einem Bordrollstuhl zu versehen. Wann werden die Umbauarbeiten abgeschlossen sein und was ist mit den Fliegern, die nicht zur Classic Flotte gehören?
Platz für Bordrollstuhl - Lufthansa rüstet Flotte barrierefrei um
in english: The German Lufthansa plans to make their short-haul flights more accessible for passengers with reduced mobility (PRM). In several weeks they want to provide on-board wheelchairs on their “classic fleet” aircrafts. In an E-Mail the Lufthansa is aked to specify when their fleet will be wheelchair ready and what happens, if a PRM uses a flight, which does not belong to the categorie “classic fleet”.
E-Mail an Lufthansa
Sehr geehrte Damen und Herren,
vielen Dank für Ihre E-Mail vom 21. Juli 2009.
Ich bitte um schriftliche Klarstellung folgender Punkte, die in Ihrer E-Mail angesprochen werden:
Bis wann genau erfolgt die Umrüstung der Maschinen und die Ausstattung mit einem dauerhaft untergebrachten Rollstuhl?
Sie schreiben, dass die Umrüstung die Maschinen der Lufthansa Classic Flotte betrifft. Wie viel Prozent der Lufthansa Flotte machen diese Maschinen aus? Was passiert, wenn ein Bordrollstuhl in einem Flieger benötigt wird, der nicht zu der Kategorie “mit Bordrollstuhl” gehört?
Ich fordere Sie erneut auf, die Entschädigungszahlung zu leisten. Die Grundlage für eine Zahlung ergibt sich aus der Verletzung der mangelhaft erbrachten Beförderung.
Ihren Ausdruck des Bedauerns, dass die Lufthansa Hotline unterschiedliche und widersprüchliche Angaben gemacht hat, nehme ich dankend zur Kenntnis.
Am 26.7.2008 trat die EU Veordnung für barrierefreies Fliegen in Kraft. Ein Jahr ist das nun her. Doch was hat sich konkret getan? Kommen mobilitätseingeschränkte Passagiere – Passagiere mit Rollstuhl zum Beispiel – mittlerweile im Flieger aufs Klo?
Klar, die Verordnung mag das Bewußtsein geschärft haben – insbesondere bei den Flugunternehmen. Wurde das Klientel von Passagieren mit Mobilitätseinschränkung zuvor einfach ignoriert (jedenfalls hatte ich diesen Eindruck), werden Fluggesellschaften nun durch die EU immerhin auf ihre Pflichten hingewiesen.
Deutsche Lufthansa auch 2009 ohne Bordrollstuhl
So weit so gut. Doch sind wir bereits über den Stand hinaus, dass das Problem erkannt und schriftlich formuliert ist?
Beispiel Lufthansa
Eines der größten Luftfahrtunternehmen weltweit ist die Deutsche Lufthansa. Doch auch sie weigert sich standhaft, Flüge barrierefrei zu gestalten. Dies sei zu teuer und wirtschaftlich nicht sinnvoll, so Unternehmenssprecher Jan Bärwalde in einem Interview mit der Deutschen Welle.
Und selbst ein kleiner, handlicher Bordrollstuhl wird auf Kurz- und Mittelstreckenflügen noch immer nicht zur Verfügung gestellt. Ganz im Gegensatz zu einer Verlautbarung der Lufthansa vom November 2008 in den Kieler Nachrichten. Hier kündigte das Luftfahrtunternehmen an, diesen “Service” ab sofort anzubieten. Darüber berichtete auch der NDR in einem kurzen Filmclip. Alles nur PR-Taktik?
Meinen Flug mit Lufthansa im Juni 2009 mußte ich jedenfalls erneut ohne Bordrollstuhl antreten und das trotz mehrfacher und rechtzeitiger Anmeldung meines Bedarfs per E-Mail und Telefon. Die Aussage der Hotline lautete immer wieder: von einem Bordrollstuhl auf Kurzstreckenflügen wissen wir nichts, den bieten wir nur auf Langstrecken an.
Beispiel Ryan Air
Es ist ja nicht so, dass die EU Verordnung nur der Deutschen Lufthansa unwichtig erscheint. Auch Ryanair hält sich nicht an die Regelung und geht sogar noch einen Schritt weiter. Wer nicht alleine auf Klo gehen könne, der müsse eine Begleitperson mitnehmen!
Bleibt die Frage, wie eine Begleitperson es schaffen soll einen Passagier, der nicht laufen kann, zur Toilette zu bringen, wenn es keinen Bordrollstuhl gibt. Huckepack oder hinter sich her schleifend?! Liebes Ryanair Team: eine Begleitperson ersetzt keinen Bordrollstuhl!
Beispiel Namenlos* und Gelöscht*
Mit Namenlos flog ich im April 2009 von Hamburg über Amsterdam nach Shanghai. Trotz Einsatz moderner und strukturell barrierefreier Flugzeugtypen wieder kein Bordrollstuhl.
Und übrigens: Das häufig gebrachte Argument, ein Bordrollstuhl “sei zu eng für die schmalen Gänge im Flieger” gilt allein schon deswegen nicht, weil ich als PRM per Bordrollstuhl in das Flugzeug hineinkomme. Sonst könnte ich das Flugzeug ja gar nicht erst besteigen.
Mit Gelöscht ging es im September von Hamburg über Paris in die USA. Natürlich ohne Bordrollstuhl. Die absurde Begründung:
Fluggäste mit eingeschränkter Mobilität müssen selbständig in der Lage sein, den Weg zu den Toiletten, zu bewerkstelligen.
*Namenlos und Gelöscht darf ich aus rechtlichen Gründen nicht mehr beim Namen nennen.
Beispiel Zuschriften
Per E-Mail, telefonisch und per Post erreichen mich Zuschriften von Menschen, die auf ähnliche Probleme stossen, wie oben geschildert. Darunter auch Menschen, die Fluggesellschaften per Einstweiliger Verfügung dazu zwangen, einen Bordrollstuhl mit sich zu führen. Auch ich habe im April 2009 eine Einstweilige Verfügung gegen eine Luftunternehmen eingereicht. Leider musste ich die Verfügung zurücknehmen, weil mir die Airline drohte, mich nicht alleine zu befördern. Sie bestand auf eine Begleitperson.
Unterm Strich
Auf dem ersten Blick scheint die Flugverordnung nicht viel gebracht zu haben:
Kein Bordrollstuhl auf Kurz- und Mittelstrecke
Kein Zugang zur Toilette für Passagiere mit Gehbinderung
Mangelhafte Auskunft an den Hotlines
Mangelhaft geschultes Crewpersonal
Keine Möglichkeit, online ein Ticket zu buchen und spezifischen Bedarf anzumelden (z.B. Hilfe beim Ein- und Ausstieg im Flugzeug)
Und doch – vielleicht bewegt sich ja etwas. Immerhin scheinen die Airlines sensibler auf das Thema zu reagieren. Kürzlich erhielt ich von der Lufthansa ein Schreiben, dass hoffen lässt. Darin heißt es, dass ein Teil der Flugzeuge zur Zeit umgerüstet werden würden, um dann einen Bordrollstuhl mitführen zu können.
Ein Schritt näher Richtung barrierefreiem Flugverkehr?
Wohl nicht. Aber offensichtlich künftig mit Bordrollstuhl!
Vor einigen Tagen erhielt ich per E-Mail ein Schreiben von der Deutschen Lufthansa. Meine Beschwerde, die Lufthansa hätte wieder keinen Bordrollstuhl bereitgestellt, wurde mit folgenden Worten quittiert:
In Einklang mit der EU-Verordnung werden momentan unsere Fluggeräte umgerüstet, so dass künftig auf jedem Kurzstreckenflugzeug der Lufthansa Classic Flotte ein Rollstuhl dauerhaft untergebracht sein wird. Die Umrüstung der Maschinen wird in einigen Wochen abgeschlossen sein.
Aha! So etwas ähnliches hatte ich von der Deutschen Lufthansa doch schon mal gehört. Damals – im November 2008 – liess der Unternehmenssprecher Jan Bärwalde verlauten: ”Wir stellen auf Kurz- und Mittelstrecken bei einer vorherigen Anmeldung bis 48 Stunden vor Flugbeginn bei Bedarf einen Bordrollstuhl bereit” (siehe Kieler Nachrichten vom 28.11.2008)
Bleibt zu hoffen, dass die Lufthansa es dieses Mal ernst meint und Worten Taten folgen lässt.
Ich dachte ja, dass wir schon weiter wären mit der Barrierefreiheit über den Wolken, seitdem der Unternehmenssprecher der Deutschen Lufthansa im November letzten Jahres großspurig verkündete, dass es Bordrollstühle nun auch auf Kurzstreckenflügen gibt. Die Nachricht verbreitete sich in Windeseile, nachdem Kieler Nachrichten und Kobinet es publizierten.
Und wie siehts konkret aus? Montag Abend einen Flug gebucht und am Dienstag bei der Hotline angerufen, um den Bordrollstuhl anzumelden. Doch die Dame an der Hotline nur kurz: Bordrollstühle bieten wir nur auf Langstreckenflügen an!
Lufthansa versus Barrierefreiheit
Diesen Flyer habe ich im Herbst letzten Jahres angefertigt – doch ist er noch immer brandaktuell.
Na toll, denke ich mir. Geht es wieder von vorne los. Gleich am Abend setze ich mich mit der medizinischen Abteilung der Lufthansa in Verbindung. Die seien zuständig für “Hilfeleistungen an Bord”. Doch weder Anruf und E-Mail, in denen ich auch auf die Aussagen vom Pressesprecher hinweise, bringen mir die positive Bestätigung über die Bereitstellung eines Bordrollstuhls.
Stattdessen kriege ich heute einen Rückruf: Wir als medizinische Abteilung sind leider nicht für Bordrollstühle zuständig, da müssen Sie sich an die allgemeine Hotline wenden.
Ich melde mich an der allgemeinen Hotline und verlange, mit der Vorgesetzten zu sprechen. Die Dame erzählt mir nach kurzer Prüfung: Sorry, nicht zuständig! und empfiehlt mich an den medizinischen Dienst.
Das gibt es doch nicht, denke ich. Da werde ich von der allgemeinen Hotline zum medizinischen Dienst geschickt, welche mich wiederum an die Hotline verweisen und deren Vorgesetzte dann den Nerv hat, mir zu sagen: Ne, ne sind nicht zuständig!
Um der ganzen Situation die Krone aufzusetzen, teilt sie mir mit, dass selbst wenn sie einen Bordrollstuhl organisieren könnte, wäre es jetzt zu spät. Man müsse den Bedarf ja schließlich 48 Stunden vorher anmelden!
Haste da noch Worte!?!
Der Kampf ums Klo geht in eine neue Runde. War der Kurzfilm des NDRs mit freundlicher Unterstützung der Lufthansa erfolgt, steht die Lufthansa nun selbst am Pranger.
Morgen um 10 Uhr geht mein Flieger – vermutlich mit mir, aber wieder mal ohne Bordrollstuhl!
Leute mit Mobilitätseinschränkungen (PRMs) kommen im Flugzeug nur schwer oder überhaupt nicht aufs Klo. Trotz neuer EU Flugverordnung weigern sich die meisten Airlines, den Toilettenbesuch für PRMs zu ermöglichen, z.B. in dem sie einen Bordrollstuhl und größere Toiletten anbieten würden – bisher sind die Airlines erfolgreich!
Der Auszug aus dem “Schleswig-Holstein Magazin” des NDR vom 30.1.2009 zeigt die Thematiknun erstmalig im Bewegtbild:
Am Montag dieser Woche stand fest: Dreherlaubnis bei Lufthansa Technik in Hamburg Fuhlsbüttel bekommen! Am Mittwoch wurde dann in einer eigens zur Verfügung gestellten Maschine (Airbus A300-360) fast vier Stunden lang gedreht.
Der etwa dreimünitge Clip wird am Samstag, 30.1.2009, zwischen 19:30-20:00 Uhr im Schlewig-Holstein Magazin des NDR ausgestrahlt.
Im Hangar von Lufthansa Technik in Hamburg Fuhlsbüttel, Foto: privat
Heute kam Post vom Ministerium: Frau Dr. Trauernicht – Sozialministerin Schleswig-Holsteins – bedankt sich für das Engagement für Barrierefreiheit im Flugverkehr. Das ist doch was! Wörtlich heißt es in dem Schreiben:
Mit Ihrem Engagement haben Sie bereits einen wichtigen ersten Erfolg erzielen können. Die Lufthansa erklärt, dass sie nach vorheriger Anmeldung einen Bordrollstuhl zur Verfügung stellen wird. Dies soll Vorbild auch für andere Flugggesellschaften sein. Schreiben herunterladen (PDF)
Vielen Dank an dieser Stelle allen bislang 502 Mitzeichnenden der Petition und all denen, die das Anliegen auf vielfache Weise unterstützen: Durch Weitersagen und Weiterleiten, durch Feedback – auch aus internen Stellen der Organisationen, darunter Politiker, Richter und Anwälte sowie leitende Crewmitglieder – und durch Berichterstattung in Online und Printmedien!
Die Deutsche Lufthansa – bisher im Zentrum der Kritik – hat sich als einzige Fluggesellschaft Europas für eine Mitnahme des Bordrollstuhls ausgesprochen. Bleibt zu hoffen, dass andere Fluggesellschaften folgen werden. Auch GELÖSCHT sieht dringenden Handlungsbedarf und zahlte wegen der aktiven Mißachtung der EU Flugverordnung 300 Euro Schmerzensgeld, obwohl GELÖSCHT auf der anderen Seite behauptet, dass die Mitnahme des Bordrollstuhls nicht in der EU Flugverordnung vorgesehen ist. KLM schließt sich der Meinung von GELÖSCHT an und verweigert die Mitnahme des Bordrollstuhls (siehe KLM stellt sich doof). Die Auslegung der neuen EU Verordnung bleibt also individuell.
Eine Frage, die ein Hamburger Filmteam nun auf den Grund gehen wollte. Leider scheiterte die Aktion bereits an den Toren der Lufthansa. Diese sahen sich für einen Dreh nicht bereit und erklärten, dass der “Organisationsaufwand” zu groß sei. Eine Drehgenehmigung wurde nicht erteilt. Schade, liebe Lufthansa, hiermit hätte ein Zeichen gesetzt werden können.
Stattdessen steht die ungeklärte Frage im Raum, was die Lufthansa denn genau meint mit der Aussage: “selbstverständlich setzen wir die neue EU Verordnung um” (31.7.2008). Denn im September – also nur zwei Monate später – mußte ein Passagier der Lufthansa vor das Amtsgericht ziehen, um gegen den Konzern eine einstweilige Verfügung zu erwirken. Die Lufthansa wollte freiwillig auf einem Kurzstreckenflug keinen Bordrollstuhl bereitstellen!
Die Deutsche Lufthansa stellt bei vorheriger Anmeldung einen Bordrollstuhl zur Verfügung! Nach einem Gespräch mit der Konzernkommunikation – in der ich mich als Kay Hansen vom Beirat für Menschen mit Behinderungen aus Kiel ausgab, um nicht abgewimmelt zu werden – versicherte mir ein Sprecher der Konzernkommunikation heute morgen diesen Service. Alle Passagiere, die den Bedarf 48h vor Reiseantritt anmelden, werden im Flieger einen Bordrollstuhl vorfinden, so die Deutsche Lufthansa.
Die Meldung ist so brandaktuell, dass sie noch keinen Eingang auf die offizielle Internetseite der Deutschen Lufthansa gefunden hat, in der bisher nur geschrieben wird, dass der Bordrollstuhlservice auf Langstrecken angeboten wird – nicht jedoch auch auf Kurzstreckenflügen. Auf meine zahlreichen schriftlichen Anfragen hatte sich die Deutsche Lufthansa bis heute nicht konkret äußern können, ob sie einen Bordrollstuhl zur Verfügung stellt.
Das ist ein erster Erfolg und ein wichtiger Schritt in Richtung Barrierefreiheit über den Wolken! Sie ist offensichtlich eine Reaktion auf die seit dem 6.11 laufende Petition “Öffentliches Luftrecht – Barrierefreiheit im Flugverkehr”, die auf die diskriminierende und gesundheitsgefährdende Situation aufmerksam macht und einen politischen Diskurs in Gange gesetzt hat.