Posts Tagged ‘barrierefrei fliegen’

Ramsauer solls richten

Mittwoch, August 31st, 2011

Dem Verkehrsminister liegt ein neuer Brief auf dem Tisch. Die Forderung: Klarheit schaffen in Sachen barrierefreies Fliegen. Das brennendste Thema des Offenen Briefs betrifft die Begleitperson von PRMs.

Soll es Airlines weiterhin frei gestellt sein, allein reisenden mobilitätseingeschränkten Passagieren spontan den Flug zu verweigern?

So wie jüngst geschehen, als der UN-Sonderberichterstatter Shuaib Chalklen seinen Flug nicht antreten konnte mit der hanebüchenen Begründung, weil er selbst nicht auf die Toilette gehen könnte! Als hätte eine Begleitperson einen Unterschied gemacht, bei den viel zu kleinen Bordtoiletten.

„Die Fluglinien setzen EU-Gesetze nicht um“, beobachtet nicht nur der UN-Berichterstatter, sondern auch der Berliner Behindertenverband und wendet sich in dem Offenen Brief an die deutsche Politik.

Das Schreiben kommt mit einer Liste von Forderungen.  Hier eine Auswahl:

  • Bereitstellung von Bordrollstühlen
  • Wenn Begleitperson Pflicht, dann muss sie kostenfrei befördert werden
  • Barrierefreie Toiletten bei Neuanschaffungen und Neuausstattung
  • Mindestens eine barrierefreie, bordrollstuhlgerechte Toilette pro Flugzeug mit mehr als einem Gang
  • Online buchen muss möglich sein
  • Stufenloser Eingang in die Flugzeuge
  • Delivery at Aircraft: Der PRM erhält seinen Rollstuhl direkt am Flugzeug

Danke nach Berlin!

Das deutsche Antidiskriminierungsmodell

Freitag, November 20th, 2009

Offener Brief an die Antidiskriminierungsstelle

Sehr geehrte Frau Lüders,

bereits im Vorjahr habe ich mit Ihrer Vorgängerin Kontakt aufgenommen wegen Barrieren und andauernden Diskriminierungen im Flugverkehr.

Leider waren die Bemühungen nicht von großem Erfolg geprägt. Daher versuche ich mein Glück erneut und bitte Sie, sich der dringenden Angelegenheit anzunehmen.

Das Antidiskriminierungs Modell

Das deutsche Antidiskriminierungsmodell?

Der bisherige Verlauf: Von der Antidiskriminierungsstelle, bei der ich die Beschwerde einreichte, wurde ich zur Bundesbeauftragten für Menschen mit Behinderung weitergeleitet. Doch dort sah man sich ebenfalls nicht in der Lage, der diskriminierenden Situation im Flugverkehr aktiv und erfolgreich entgegenzutreten. Man leitete mich weiter an das Luftfahrtbundesamt, der nationalen Durchsetzungsstelle für Verstöße gegen die EU Flugverordnung. Auch dort konnte man mir leider nicht weiterhelfen – ganz offensichtlich wollte oder konnte das Luftfahrtbundesamt nicht wahrhaben, dass Fluggesellschaften Rollstuhlnutzern oder ähnlichen Personengruppen keine entsprechende Hilfeleistung (z.B. einen Bordrollstuhl) bieten, die es ermöglicht, an Bord des Fliegers eine Toilette aufzusuchen. Ich wurde an das Verkehrsministerium weitergeleitet. Hier endet die Kommunikation mit den Worten:

„Unabhängig vom Vorhandensein behindertengerechter Toiletten muss das Luftfahrtunternehmen sicherstellen, dass der Passagier unter Wahrung seiner Privatsphäre die Toilette benutzen kann“ (Luftfahrtbundesamt, 9.9.2008)

An sich ein schönes Statement. Jedenfalls in der Theorie. Auf den Flugalltag jedoch scheint es keine Auswirkung zu haben: Eine Toilette ist für viele mobilitätseingeschränkte Passagiere im Flieger nach wie vor nicht aufsuchbar.

Was seitdem geschehen ist

  • Mittlerweile ist eine Petition für barrierefreies Fliegen auf Bundes- und auf europäischer Ebene auf den Weg gebracht worden.
  • In den Medien ist viel über die Petitionen und die untragbare Situation berichtet worden, siehe Pressespiegel
  • Der NDR hat einen Film über die Toilettensituation im Flugzeug gedreht, siehe „Kampf ums Klo“

Ein Jahr nach in Kraft treten der EU Flugverordnung ist alles beim Alten: Rollstuhlfahrer kommen im Flieger einfach nicht aufs Klo! Ein Bericht zum einjährigen Geburtstag verdeutlicht die unveränderte Lage.

Die in höchstem Maße diskriminierende und unwürdige Situation, in denen Passagiere vom Gang zur Toilette abgeschnitten sind, besteht weiterhin. Sie wiederholt sich täglich ohne dass sich eine Antidiskriminierungsstelle, eine Bundesbeauftragte, ein Luftfahrtbundesamt oder ein Verkehrsministerium sich ihrer nachhaltig angenommen hätte.

Meine Hoffnungen ruhen nun auf Ihnen, Frau Lüders: Machen Sie was!

Mit freundlichen Grüßen
Kay Macquarrie

Nachtrag 15.12.2009

Es gibt Antwort aus dem Haus der Antidiskriminierungsbeauftragten. Und dass, obwohl Frau Lüders ihr Amt noch gar nicht angetreten hat! Man sollte wohl dankbar sein, dass man überhaupt eine Antwort bekommt… allerdings  steht in dem Schreiben wenig neues drin.

Es wird lediglich angekündigt, man wolle auf der ILA Ausstellung 2010 wieder mit den Fluggesellschaften reden … Ich glaube, die Herren und Damen von der Lufthansa und Co bekommen schon weiche Knie.

In der Summe bloss eine neue Weiterleitung

Nachgehakt – Lufthansa bald barrierefrei?

Samstag, August 1st, 2009

rechtaufklo hakt nach bei der Lufthansa. Diese hatten angekündigt, ihre „Classic Flotte“ mit einem Bordrollstuhl zu versehen. Wann werden die Umbauarbeiten abgeschlossen sein und was ist mit den Fliegern, die nicht zur Classic Flotte gehören?

Platz für Bordrollstuhl

Platz für Bordrollstuhl - Lufthansa rüstet Flotte barrierefrei um

in english: The German Lufthansa plans to make their short-haul flights more accessible for passengers with reduced mobility (PRM). In several weeks they want to provide on-board wheelchairs on their „classic fleet“ aircrafts. In an E-Mail the Lufthansa is aked to specify when their fleet will be wheelchair ready and what happens, if a PRM uses a flight, which does not belong to the categorie „classic fleet“.

E-Mail an Lufthansa

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für Ihre E-Mail vom 21. Juli 2009.

Ich bitte um schriftliche Klarstellung folgender Punkte, die in Ihrer E-Mail angesprochen werden:

  1. Bis wann genau erfolgt die Umrüstung der Maschinen und die Ausstattung mit einem dauerhaft untergebrachten Rollstuhl?
  2. Sie schreiben, dass die Umrüstung die Maschinen der Lufthansa Classic Flotte betrifft. Wie viel Prozent der Lufthansa Flotte machen diese Maschinen aus? Was passiert, wenn ein Bordrollstuhl in einem Flieger benötigt wird, der nicht zu der Kategorie „mit Bordrollstuhl“ gehört?
  3. Ich fordere Sie erneut auf, die Entschädigungszahlung zu leisten. Die Grundlage für eine Zahlung ergibt sich aus der Verletzung der mangelhaft erbrachten Beförderung.

Ihren Ausdruck des Bedauerns, dass die Lufthansa Hotline unterschiedliche und widersprüchliche Angaben gemacht hat, nehme ich dankend zur Kenntnis.

Mit freundlichen Grüßen
Kay Macquarrie

Initiative www.rechtaufklo.de

TAZ – Die Grenzen über den Wolken

Samstag, Januar 10th, 2009

Portrait Kay Macquarrie
Foto: Svenja Naudszus

Am 9.1.2009 veröffentlichte die TAZ einen Artikel über die Situation im Flieger. Auch wenn die Rollstühle heutzutage doch etwas sportlicher aussehen, als in der Onlineausgabe gezeigt, ist der Beitrag insgesamt ’ne glatte Eins. DANKE!

Link zum Artikel in der TAZ
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Seat Guru

Dienstag, Oktober 21st, 2008

Seat Guru ist eine Website, die sich mit Sitzplätzen vieler Fluggesellschaften und Flieger auseinandersetzt. Auf der Seite kann man sich ein Bild machen, welche Plätze sich am besten für einen eignen.

Flugzeugklo bei geschlossener Tür

:: Screenshot eines Ausschnittes der Website www.seatguru.com (bearbeitet)

Das Beispiel zeigt den Airbus A 340 Version 2 bei GELÖSCHT. Im unteren Teil des Flugzeugs – siehe roter Kreis – besteht die Möglichkeit, die nebeneinanderliegenden Toiletten miteinander zu verbinden. Großes Klo im Airbus A 340 Dadurch wird die Toilettenkabine erweitert und ist dann zugänglich für einen Bordrollstuhl.

Große Bewegungsfreiheit gibt es dadurch zwar nicht, jedoch ermöglicht es einen gewissen Grad an Privatssphäre. Immerhin kann man die Tür hinter sich schließen!

Auf Anfrage schreibt Seatguru, dass sie in Zukunft auch Informationen zur Barrierefreiheit aufnehmen möchte. Bis jetzt ist zum Beispiel leider noch nicht erkennbar, welche Klos zu einer größeren Einheit erweiterbar sind.

Delta Airlines – ein Profil

Mittwoch, September 3rd, 2008

Delta Airlines hat es sich zum Ziel gesetzt, die bevorzugte Fluggesellschaft für Menschen mit Behinderung zu sein (Quelle: Thomas Brandt, Geschäftsführer Delta Air Lines Deutschland, Konferenz barrierefreies Fliegen 2008, PDF). Die folgenden 3 Punkte bilden den Kern dieses Mission Statements:

  1. „Operational Excellence“, d. h. wir investieren in Quellen, die Reisen universell zugänglich machen. Also keine Ausnahmen, sondern generelles Design oder Prozesse schaffen. Die Prozesse müssen dafür transparent sein und alle Anpassungen müssen wie selbstverständlich wirken.
  2. Den „Second Mile Service“ – also über das Normale hinaus zu gehen, um den Kunden zum wahren Delta-Fan zu machen. Es ist also mehr als eine universelle Kundendienstaussage. Es geht darum, zu identifizieren, was der Kunde braucht und seine Erwartungen jedes Mal ein wenig mehr zu übertreffen, damit der Kunde auch wiederkommt.
  3. Und „Gefühlsmäßige Verbindungen“ aufzubauen. Im Geschäftsleben geht es um Beziehungen. Es geht hier um Vertrauen und Vertrauen ist unser Geschäft. Nämlich dass wir Passagiere sicher und zuverlässig befördern.

Und nun zu den konkreten Ableitungen der Kernpunkte:

Wichtig ist für uns, dass die Prozesse, die wir anbieten, keine Ausnahme für bestimmte Personen bilden, sondern eine generelle Zugänglichkeit (Stichwort Universelles Design) für jeden Passagier, unabhängig von einer Behinderung. An Bord sollen sein:

  • Stauraum für einen klappbaren Rollstuhl in Flugzeugen mit mehr als 100 Sitzen
  • klappbare Armlehnen an 50 % aller Gangplätze; diese Plätze sind auch im Voraus buchbar
  • speziell für Passagiere mit Behinderung sind bestimmte Sitzreihen mit mehr Beinfreiheit oder Bewegungsfreiheit im Voraus zu reservieren, was für Passagiere ohne Behinderung nicht möglich ist
  • Die Informationen stehen natürlich auch den Reisebüros zur Verfügung. Das heißt, der Kunde ist nicht unbedingt darauf angewiesen, zu uns zu kommen, um diese Dienstleistungen zu buchen. Das Reisebüro kann sich ebenfalls über die Website informieren und entsprechende Dienstleistungen für den Kunden anfragen, z. B. die Platzreservierung.
  • Bei allen Flugzeugen, die zwei Gänge haben, ist mindestens eine Toilette so ausgelegt, dass der Gang vor der Toilette komplett abgeblockt werden kann, um einfach den Aktionsradius zu vergrößern.
  • Das Kabinenpersonal wird regelmäßig im Umgang mit behinderten Menschen geschult.

Die Ziele lesen sich schon ganz gut, bleiben jedoch hinter den amerikanischen Bestimmungen (14 CFR Part 382, Nondiscrimination on the Basis of Disability in Air Travel, PDF) zurück, in denen beispielsweise gefordert wird, dass in Flugzeugen mit einer Mindestgröße von 60 Sitzplätzen, bei vorheriger Anmeldung ein Bordrollstuhl zur Verfügung gestellt werden muß (siehe hier).  Auch ist mehr „Aktionsradius“ um eine Bordtoilette zwar besser als kein Aktionsradius, dennoch wird die schmale Toilettenkabine durch einen davor gehängten Vorhang nun einmal nicht barrierefreier. Auch hier fordert die EU Verordnung im Grunde mehr, als von Delta umgesetzt.

Interessant ist, dass dieses Mission Statement auf der Website von Delta Airlines selber nicht nachzulesen ist. Auch die einzelnen konkreten Umsetzungen werden auf der Seite höchstens ansatzweise formuliert. Warum bloß nicht? Allein die permanente Verfügbarkeit eines Bordrollstuhl findet Erwähnung, so heißt es auf der Seite von Delta Airlines:

Alle unsere Flugzeuge haben einen Bordrollstuhl. Diese Rollstühle sind speziell entworfen, um im Mittelgang unserer Flugzeuge Platz zu finden und können von unseren Passagieren benutzt werden, wenn Sie die Toilette aufsuchen oder von der Toilette zurückkehren wollen. (Zitat vom 3.9.2008)

Bei meiner anstehenden Reise geht es mit Delta Airlines in die USA. Ob tatsächlich alle Flugzeuge von Delta Airlines über einen Bordrollstuhl verfügen, wird sich zeigen.