Mit ‘Politik’ getaggte Artikel

Ramsauer solls richten

Mittwoch, 31. August 2011

Dem Verkehrsminister liegt ein neuer Brief auf dem Tisch. Die Forderung: Klarheit schaffen in Sachen barrierefreies Fliegen. Das brennendste Thema des Offenen Briefs betrifft die Begleitperson von PRMs.

Soll es Airlines weiterhin frei gestellt sein, allein reisenden mobilitätseingeschränkten Passagieren spontan den Flug zu verweigern?

So wie jüngst geschehen, als der UN-Sonderberichterstatter Shuaib Chalklen seinen Flug nicht antreten konnte mit der hanebüchenen Begründung, weil er selbst nicht auf die Toilette gehen könnte! Als hätte eine Begleitperson einen Unterschied gemacht, bei den viel zu kleinen Bordtoiletten.

“Die Fluglinien setzen EU-Gesetze nicht um”, beobachtet nicht nur der UN-Berichterstatter, sondern auch der Berliner Behindertenverband und wendet sich in dem Offenen Brief an die deutsche Politik.

Das Schreiben kommt mit einer Liste von Forderungen.  Hier eine Auswahl:

  • Bereitstellung von Bordrollstühlen
  • Wenn Begleitperson Pflicht, dann muss sie kostenfrei befördert werden
  • Barrierefreie Toiletten bei Neuanschaffungen und Neuausstattung
  • Mindestens eine barrierefreie, bordrollstuhlgerechte Toilette pro Flugzeug mit mehr als einem Gang
  • Online buchen muss möglich sein
  • Stufenloser Eingang in die Flugzeuge
  • Delivery at Aircraft: Der PRM erhält seinen Rollstuhl direkt am Flugzeug

Danke nach Berlin!

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Ministerin dankt!

Samstag, 13. Dezember 2008

Heute kam Post vom Ministerium: Frau Dr. Trauernicht – Sozialministerin Schleswig-Holsteins – bedankt sich für das Engagement für Barrierefreiheit im Flugverkehr. Das ist doch was!
Schreiben Ministerium TrauernichtWörtlich heißt es in dem Schreiben:

Mit Ihrem Engagement haben Sie bereits einen wichtigen ersten Erfolg erzielen können. Die Lufthansa erklärt, dass sie nach vorheriger Anmeldung einen Bordrollstuhl zur Verfügung stellen wird. Dies soll Vorbild auch für andere Flugggesellschaften sein. Schreiben herunterladen (PDF)

Vielen Dank an dieser Stelle allen bislang 502 Mitzeichnenden der Petition und all denen, die das Anliegen auf vielfache Weise unterstützen: Durch Weitersagen und Weiterleiten, durch Feedback – auch aus internen Stellen der Organisationen, darunter Politiker, Richter und Anwälte sowie leitende Crewmitglieder – und durch Berichterstattung in Online und Printmedien!

Die Deutsche Lufthansa – bisher im Zentrum der Kritik – hat sich als einzige Fluggesellschaft Europas für eine Mitnahme des Bordrollstuhls ausgesprochen. Bleibt zu hoffen, dass andere Fluggesellschaften folgen werden. Auch GELÖSCHT sieht dringenden Handlungsbedarf und zahlte wegen der aktiven Mißachtung der EU Flugverordnung 300 Euro Schmerzensgeld, obwohl GELÖSCHT auf der anderen Seite behauptet, dass die Mitnahme des Bordrollstuhls nicht in der EU Flugverordnung vorgesehen ist. KLM schließt sich der Meinung von GELÖSCHT an und verweigert die Mitnahme des Bordrollstuhls (siehe KLM stellt sich doof). Die Auslegung der neuen EU Verordnung bleibt also individuell.

Mal sehen, wie lange noch.

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Fakten über das Fliegen

Samstag, 11. Oktober 2008

HEUTE

  • 13 Millionen Menschen haben 2007 allein in den USA Flugreisen mit Behinderungen unternommen (Quelle Open Doors Organization, Studie von Harris Interaktive)
  • Personen mit Behinderung gaben 2007 in den USA 2,9 Milliarden Dollar für Reisen aus (verfügbares Gesamteinkommen 200 Milliarden)

MORGEN

  • 2020 werden 17% der US- und 20% der Weltbevölkerung Personen mit Behinderung sein
  • 2020 werden allein in den USA 52 Millionen Menschen über 65 Jahre alt sein

TENDENZEN

  • Menschen werden im Durchschnitt immer älter
  • eine Mehrheit wird bis ins hohe Alter mobil sein
  • Fluggesellschaften und Flughäfen werden sich allein aus marktwirtschaftlichen Motiven stärker an die Belange dieser Zielgruppe anpassen

Quelle: Vortrag von Thomas Brandt, Country Sales Manager von Delta Airlines während der Fachkonferenz zum barrierefreien Fliegen, PDF im Rahmen der ILA 2008, Berlin

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Mobilität für alle

Mittwoch, 03. September 2008

Folgend ein Auszug aus dem Vortrag “Mobilität für alle – Eine Herausforderung für Europa” von Dr. Volker Sieger. Der Leiter des IbGM (Institut für barrierefreie Gestaltung und Mobilität) hatte im Rahmen der Europäischen Konferenz zur Intergration behinderter Menschen am 11./12. Juni 2007 eine Bestandsaufnahme zur Barrierefreiheit in Deutschland und Europa gegeben und seine Sicht der Dinge dargestellt.

Der Auszug aus seiner Rede schildert den Status Quo der Barrierefreiheit im Flugverkehr:

Mit der im Jahr 2006 beschlossenen Verordnung über die Rechte von behinderten Flugreisenden (Nr. 1107/2006) wurde die diskriminierungsfreie Beförderung im Luftverkehr durch die EU umfassend geregelt. Der Ausschluss von einer Flugreise auf Grund einer vorliegenden Behinderung oder Mobilitätseinschränkung ist nur noch innerhalb eng gesteckter Grenzen, beispielsweise aus Sicherheitsgründen, möglich. Zwar besteht aus meiner Sicht an dem einen oder anderen Punkt der Verordnung durchaus Verbesserungspotenzial. Ungeachtet dessen ist damit jedoch die diskriminierungsfreie Beförderung behinderter und in ihrer Mobilität eingeschränkter Personen vom Grundsatz her geregelt worden. Über eine mögliche und aus meiner Sicht notwendige Anhebung der Entschädigungshöchstgrenzen für beschädigte oder verloren gegangene Hilfsmittel läuft derzeit eine Untersuchung, deren Ergebnisse abzuwarten bleiben.

Zwar appelliert die angesprochene Verordnung an Flughafenbetreiber und Fluglinien gleichermaßen, beim Bau oder der Renovierung neuer Flughäfen und Abfertigungsgebäude bzw. bei der Neuanschaffung oder Neugestaltung von Flugzeugen so weit wie möglich die Bedürfnisse von behinderten und in ihrer Mobilität eingeschränkten Fluggästen zu berücksichtigen. Eine Verpflichtung zur barrierefreien Gestaltung, die den Belangen der Betroffenen in der Praxis tatsächlich gerecht wird, ist damit jedoch nicht verbunden. Während die barrierefreie Neugestaltung von Flughäfen und Abfertigungsgebäuden noch ein relativ unproblematisches Unterfangen darstellt, sofern das Baurecht des jeweiligen Mitgliedsstaates hierzu entsprechende Regelungen enthält, sieht es bei der Zugänglichkeit und Kabinengestaltung von Flugzeugen viel problematischer aus.

Leider existieren in Europa keine auf die Bedürfnisse behinderter Menschen tatsächlich zugeschnittenen Mindeststandards für die barrierefreie Gestaltung von Flugzeugen. Für einen nicht unerheblichen Personenkreis bedeutet dies, dass er trotz vorhandener Hilfeleistungen nicht diskriminierungsfrei mit dem Flugzeug verreisen kann. Den Betroffenen wird abverlangt, ihre Mobilitätshilfe – in der Regel einen auf ihre Bedürfnisse angepassten Rollstuhl – gegen ein auf die Zugänglichkeit eines Flugzeuges zugeschnittenes Hilfsmittel einzutauschen und sich darüber hinaus von fremden Personen tragen zu lassen. Mindestens ebenso gravierend ist, dass für sehr viele behinderte Menschen keine Zugänglichkeit und Nutzbarkeit der Bordtoilette gegeben ist.

Aus meiner Sicht besteht hinsichtlich der Implementierung von Mindeststandards für die Flugzeuggestaltung, durch welche Diskriminierung tatsächlich und für alle verhindert wird, dringender Handlungsbedarf. Damit weiß ich mich im Übrigen in Übereinstimmung mit der UN-Konvention für die Rechte behinderter Menschen, die die Vertragsstaaten auffordert, Mindeststandards für den barrierefreien Zugang zu erlassen und ihre Umsetzung zu überwachen. Angesichts der Besonderheiten des Luftverkehrs können solche Standards nur europaweit festgeschrieben werden.

Die gesamte Rede ist hier als PDF herunterladbar.

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barrierefrei fliegen – Kurzbericht zur ILA 2008

Freitag, 30. Mai 2008

Im Rahmen der ILA 2008 trafen sich mehrere Vertreteter aus unterschiedlichen Bereichen rund um die Luftfahrt. In einem ganztägigen Workshop wurden die Probleme und Barrieren beim Fliegen angesprochen und diskutiert.

:: Frau Dr. Arnade referiert über die Herausforderung für PRM’s beim Fliegen. Neben ihr im Bild: Christophe Dussart (EU), Alexander Quegwer (Büro Behindertenbeauftragte), Thomas Brandt (Delta Airlines).

Leider konnte man sich des Gefühls nicht erwehren, dass die Diskussion um Barrierefreiheit und Achtung der Rechte von mobilitätseingeschränkten Passagieren schon vor langer, langer Zeit hätte stattfinden müssen. Ob der Dialog zu sichtbaren Veränderungen führen wird?


:: Demonstrationsschild gegen die Deutsche Lufthansa.

Eines jedoch kann mit Sicherheit gesagt werden: zugängliche Toilettenkabinen in europäischen Flugstrecken wird es weder in naher noch in ferner Zukunf geben. Traurig, aber wahr.

Berichterstattung in anderen Medien

> Deutsche Welle World 31.5.2008 Artikel “Wenn Fliegen zur Qual wird” (Autor: Jan M. Schäfer)

Download:Bericht als PDF
> Deutsche Welle 3.6.2008 Hörbeitrag – Download als MP3 | zum Beitrag auf Deutsche Welle Online DidAktuelles
> kobinet 30.5.2008 Fachkonferenz barrierefreier Luftverkehr – Chancen und Nutzen
> bizeps 31.5.2008 Fachkonferenz barrierefreier Luftverkehr – Chancen und Nutzen
> kobinet 2.6.2008 Flugzeuge künftig ohne Toiletten
> deutschlern.net zum interaktiven Lernartikel “Wenn Fliegen zur Qual wird”

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ILA 2008

Samstag, 26. April 2008

Im Rahmen der ILA 2008 – der internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung – wird am 29. Mai 2008, 10:00 – 18:00 Uhr eine Konferenz mit dem Namen Barrierefreiheit im Flugverkehr – Chancen und Nutzen? durchgeführt.

Flyer Lufthansa gegen Barrierefreiheit

:: Der Flyer “Lufthansa ungleich Barrierefreiheit” verdeutlicht den Mangel an Barrierefreiheit in Flugzeugen. Hier am Beispiel der Deutschen Lufthansa.

> druckbare PDF’s: deutsche Version / english version

Konferenztitel: Barrierefreiheit im Flugverkehr – Chancen und Nutzen?
Themenkategorie: Kommerzieller Luftverkehr, Politik und Wirtschaft
Veranstaltungsort: Konferenzzentrum Schönefeld-Nord, Raum MIKE
Veranstalter: Die Beauftragte der Bundesregierung f.d. Belange behinderter Menschen, Mauerstraße 53, 10117 Berlin

Mehr in Kürze.

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Reportage: Man darf nicht müssen

Samstag, 26. April 2008

Vorbereitungen einer Flugreise von Deutschland nach Kanada – das mehr als lückenhafte Service-und-Komfort-Prinzip der Deutschen Lufthansa

Ich bin ja schon viel rumgekommen, drei Mal USA, Australien und Thailand, und auch innerhalb Europas. Alles im Rollstuhl. Doch aus Erfahrung muss ich sagen: leicht machen mir die Fluggesellschaften das Reisen nicht. Von Service und Komfort kann keine Rede sein: Das Personal stellt indiskrete Fragen nach dem Motto „und sie können wirklich keinen Schritt selber gehen?“ und lässt auch bei einer definitiven Verneinung nicht locker. Der selbständige Weg zum Flugzeug ist hart erkämpft, weil die Leute vom Roten Kreuz mich am liebsten in einen Flugzeugrollstuhl setzen würden, um mich zu schieben. Der Routine wegen. Spätestens im Flieger ist es dann endgültig vorbei mit der eigenen Fortbewegung, weil die Gänge viel zu schmal sind. Auf einem vierrädrigen Gefährt festgeschnallt und verpackt wie ein Paket geht’s dann für mich mit zwei Helfern zum vorgesehen Sitz.

Und wenn ich dann im Luftraum über Europa mal aufs Klo muss – das geht schon gar nicht. Auf einer Reise nach Spanien stellte mich die Chefstewardess nach einem Disput vor die Wahl „entweder Sie versichern mir jetzt, dass Sie während des Fluges nicht auf Klo müssen, oder Sie verlassen sofort das Flugzeug“. Auf längeren Flügen ermöglicht ein sogenannter Bordrollstuhl den Transfer vom Sitz zur Toilette. Den gibt es aber auf Kurzstreckenflügen nicht. Begründung: „Die vorhandenen Toiletten sind von der Größe nicht geeignet, einen Bordrollstuhl aufzunehmen“. Er kann noch nicht einmal bei voriger Anmeldung zur Verfügung gestellt werden.

Nun steht im April eine Geschäftsreise nach Kanada an. Es geht nach Montréal in Quebec. Vielleicht ist diesmal ja alles anders.

Über das Internet buche ich eine Flugreise nach Kanada. Von Hamburg aus geht es mit einen mal Umsteigen in Frankfurt nach Montréal. Alles klasse. Dann suche ich bei den Passagierangaben ein Feld, in dem ich eintragen kann, dass ich beim Einstieg Assistenz wünsche. Aber Fehlanzeige. Diese Angaben sind bei dem Buchungsprozedere nicht vorgesehen.

Also versuche ich mein Anliegen per Email an die Lufthansa zu kommunizieren. Über das Kontaktformular auf der Website informiere ich die Lufthansa über meine Assistenzwünsche. Gleichzeitig stelle ich die Frage nach einer Toilette an Bord des Flugzeugs: Gibt es an Bord der Flugzeuge rollstuhlzugängliche Toiletten? Die Frage stelle ich, weil es auch auf Langstreckenflügen natürlich Ausnahmen gibt. Zum Beispiel beim A300-600, der zwar über einen Bordrollstuhl verfügt. Allerdings muss dieser „außerhalb der Toilette geparkt“ werden. Die Antwort des Unternehmes kommt umgehend. Doch sieht sich die E-Mail Abteilung für die Beantwortung der Fragen nicht zuständig und verweist auf einen Kollegen an der Telefonhotline. Eine Telefonnummer ist der E-Mail beigefügt.

Nach vier Minuten in der kostenpflichtigen Warteschleife erreiche ich eine Hotline Agentin der Zentralen Reservierung. Diese zeigt sich sehr überrascht über meine Frage, ob die Flugzeuge eine rollstuhlgerechte Toilette haben. Sie hat natürlich keine Antwort parat, schickt mich erneut in die Warteschleife und fragt ihre Vorgesetzte. Nach einer Weile meldet sich die Agentin zurück und gibt mir die Auskunft, ich möge bei der MEDA anrufen. Diese könnten mir weiterhelfen. Meine Frage, ob sie nicht für mich die Auskünfte einholen kann, verneint sie. Bei der MEDA ist niemand zu erreichen: „Alle Leitungen besetzt, bitte rufen Sie zu einen späteren Zeitpunkt an oder sprechen Sie auf Band“. Ich spreche auf Band, aber ich werde nicht zurückgerufen. Ich versuche Informationen zur MEDA zu bekommen, finde im Internet jedoch nichts. Auch auf der Internetseite der Lufthansa ist auch nichts über die MEDA zu finden. Ich schlafe erst einmal eine Nacht drüber. Hotlines und Warteschleifengedudel machen einen völlig fertig.
Am nächsten Tag ein erneuter Versuch per Telefon meine Fragen zu klären. Diesmal bei der Hotline für Fragen der Barrierefreiheit. Wie auch tags zuvor kann die Hotlineagentin meine “sehr speziellen” Fragen nicht beantworten. Wieder einmal lande ich in der Telefonwarteschleife, damit die Agentin ihre Hausaufgaben machen kann und sich informiert. 43 Minuten (!) später beenden wir das Gespräch mit dem Verweis seitens der freundlichen, aber in puncto Barrierefreiheit völlig ungeschulten Agentin, mich bei Air Canada zu melden. Das sei die Kooperationsairline von Lufthansa für die Flüge nach Kanada. Die hätten Antworten…

Fakt ist: die Flugzeuge der Lufthansa und auch aller anderen Fluggesellschaften verfügen auf ihren innerdeutschen und innereuropäischen Strecken nicht über behindertengerechte Toiletten. Für Personen mit Mobilitätseinschränkungen, die beispielsweise einen Rollstuhl benutzen, bedeutet dies, dass sie während dieser Zeit keine Toilette aufsuchen und nutzen können. Manchmal sind das zwei Stunden, machmal aber auch bis zu vier Stunden, da sie das das Flugzeug als erstes betreten und als letzter Passagier verlassen müssen. Thrombosegefahr hin oder her, wenn man nicht aufs Klo kommt, trinke ich auf dem Flug nichts.
Und die Politik? Die Europäische Kommission verpasste es, eine entsprechende Klausel in die Verordnung über die Rechte von mobilitätseingeschränkten Flugreisenden mit aufzunehmen. Bis heute sind Fluggesellschaften gesetzlich nicht verpflichtet, einen Bordrollstuhl mitzuführen und rollstuhlzugängliche Toiletten anzubieten. Auch die Bundesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen Frau Evers-Meyer zeigt sich ignorant und abwimmelnd. Zwar bekundet sie Problembewußtsein – man wisse um die Barrieren beim Fliegen – dennoch wird dieser offenkundigen Diskriminierung keine hohe Priorität eingeräumt. So ertönt dann auch aus dem Haus der Bundesbeauftragten „wir haben auch nur begrenzte Ressourcen vor Ort und können uns nicht aller Probleme annehmen“. Dennoch wolle man auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) 2008 die an der Luftfahrt beteiligten Unternehmen für das Thema „sensibilisieren“.

Derweil äußert sich die Lufthansa, dass sie alles in ihrer Macht stehende tue, um auch “unseren Passagieren mit einer eingeschränkten Mobilität den bestmöglichen Komfort und Service zu bieten”. Dass es sich hierbei nicht um Komfort und Service handelt, allen Passagieren den Zugang zu einem Klo zu ermöglichen, verkennt die Lufthansa fast sträfllich. Das Recht in Würde ein Klo nutzen zu können, ist kein Komfortgedanke sondern ein Menschenrecht. Statistiken zeigen, dass ca. 10% der europäischen Bevölkerung eine Behinderung haben. In Zahlen gesprochen macht das 68 Millionen Menschen mit Behinderung. Eine zahlungswillige und große Zielgruppe, die nur darauf wartet, entdeckt und bedient zu werden.

Liebe Fluggesellschaften: Nutzt Eure Chancen, macht das Reisen barrierefrei und kommt endlich an im 21. Jahrhundert!

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Die neue EU Verordnung

Sonntag, 09. Dezember 2007

Im Jahr 2006 wurde die Verordnung über die Rechte von behinderten Flugreisenden (Nr. 1107/2006, PDF) beschlossen. Was bewirkt sie im Hinblick auf barrierefreie Bordtoiletten?

Zwar appelliert die angesprochene Verordnung auch an Flughafenbetreiber und Fluglinien bei der Neuanschaffung oder Neugestaltung von Flugzeugen so weit wie möglich die Bedürfnisse von behinderten und in ihrer Mobilität eingeschränkten Fluggästen zu berücksichtigen. Eine Verpflichtung zur barrierefreien Gestaltung, die den Belangen der Betroffenen in der Praxis tatsächlich gerecht wird, ist damit jedoch nicht verbunden. Leider existieren in Europa auch keine auf die Bedürfnisse behinderter Menschen tatsächlich zugeschnittenen Mindeststandards für die barrierefreie Gestaltung von Flugzeugen. Für einen nicht unerheblichen Personenkreis, wie für Sie, bedeutet dies, dass er trotz vorhandener Hilfeleistungen weiterhin nicht diskriminierungsfrei mit dem Flugzeug verreisen kann.

Das Zitat ist ein Auszug aus einer privaten Korrespondenz mit der Organisation: Bundesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte eV. (E-Mail Antwort vom 4.12.2007).

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Brief an die Bundesbeauftragte

Sonntag, 09. Dezember 2007

Ist der Bundesbeauftragten für Menschen mit Behinderungen die unzureichende Toilettensituation an Bord von Flugzeugen bekannt? Welche Maßnahmen werden für eine Verbesserung der Toilettensituation für Reisende im Rollstuhl unternommen?

Es folgt ein Auszug aus einer E-Mail an die Bundesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen:

Sehr geehrte Frau Evers-Meyer,

es geht um das Thema barrierefreies Fliegen.

Menschen, die mit einem Rollstuhl auf innereuropäischen Strecken im Flugzeug unterwegs sind, haben keine Möglichkeit eine zugängliche Toilette aufzusuchen.

Die wenig versprechende Antwort aus dem Hause der Bundesbeauftragten lautet (Auszug):

“…ich [kann] Ihnen zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine konkrete Lösung Ihres Problems anbieten…”

Bedacht werden sollte, dass es sich beim Fehlen einer zugänglichen Toilette nicht um ein individuelles Problem handelt, wie es in der Antwort suggeriert wird. Denn allein in Europa haben 68 Millionen Menschen (ca. 10% der Gesamtbevölkerung) eine Behinderung, weltweit sind es 650 Millionen Menschen (siehe: Vereinte Nationen).

20.11.2007 Anfrage an die Bundesbeauftragte
Ist der Bundesbeauftragten die unzureichende Toilettensituation bekannt? Welche Maßnahmen werden für eine Verbesserung der Toilettensituation für Reisende im Rollstuhl unternommen?
20071120_bundesbeauftragte_anfrage.pdf

27.11.2007 Antwort Büro Bundesbeauftragte
Die problematische Toilettensituation sei bekannt. Als konkrete Maßnahme wird angeführt, dass die Bundesbeauftragte im Rahmen der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung 2008 eine Fachkonferenz mit dem Titel “Barrierefreier Luftverkehr – Chancen und Nutzen” plane.
20071127_bundesbeauftragte_antwort.pdf

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Müssen Airlines Bordrollstühle mitführen?

Sonntag, 09. Dezember 2007

Folgend eine E-Mail Korrespondenz mit dem Europäischen Parlament und der Europäischen Kommission mit dem Ergebnis:

Europäische Fluglinien sind gesetzlich nicht verpflichtet, Bordrollstühle auf ihren Flügen mitzuführen.

18.12.2006 Anfrage an das Europäische Parlament
Sind Flugzeuggesellschaften gesetzlich verpflichtet eine barrierefreie Toilette an Bord bereitzustellen?
20061218_europaeischesparlament_anliegen.pdf

21.12.2006 Antwort des Europäischen Parlaments
Keine detaillierte Antwort möglich, Verweis auf die Europäische Kommission
20061221_europaeischesparlament_antwort.pdf

21.12.2006 Anfrage an die Europäische Kommission
Sind Flugzeuggesellschaften gesetzlich verpflichtet eine barrierefreie Toilette an Bord bereitzustellen?
20061221_europaeischekommission_anliegen.pdf

05.02.2007 Antwort der Europäischen Kommission
Europäische Fluglinine sind gesetzlich nicht verpflichtet, Bordrollstühle auf ihren Flügen mitzuführen

It is correct that Regulation 1107/2006 itself does not contain as provisions on wheelchair
accessible toilets aboard planes.

20070205_europaeischekommission_antwort.pdf

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