Reportage: Man darf nicht mssen

26. April 2008

Vorbereitungen einer Flugreise von Deutschland nach Kanada – das mehr als lückenhafte Service-und-Komfort-Prinzip der Deutschen Lufthansa

Ich bin ja schon viel rumgekommen, drei Mal USA, Australien und Thailand, und auch innerhalb Europas. Alles im Rollstuhl. Doch aus Erfahrung muss ich sagen: leicht machen mir die Fluggesellschaften das Reisen nicht. Von Service und Komfort kann keine Rede sein: Das Personal stellt indiskrete Fragen nach dem Motto „und sie können wirklich keinen Schritt selber gehen?“ und lässt auch bei einer definitiven Verneinung nicht locker. Der selbständige Weg zum Flugzeug ist hart erkämpft, weil die Leute vom Roten Kreuz mich am liebsten in einen Flugzeugrollstuhl setzen würden, um mich zu schieben. Der Routine wegen. Spätestens im Flieger ist es dann endgültig vorbei mit der eigenen Fortbewegung, weil die Gänge viel zu schmal sind. Auf einem vierrädrigen Gefährt festgeschnallt und verpackt wie ein Paket geht’s dann für mich mit zwei Helfern zum vorgesehen Sitz.

Und wenn ich dann im Luftraum über Europa mal aufs Klo muss – das geht schon gar nicht. Auf einer Reise nach Spanien stellte mich die Chefstewardess nach einem Disput vor die Wahl „entweder Sie versichern mir jetzt, dass Sie während des Fluges nicht auf Klo müssen, oder Sie verlassen sofort das Flugzeug“. Auf längeren Flügen ermöglicht ein sogenannter Bordrollstuhl den Transfer vom Sitz zur Toilette. Den gibt es aber auf Kurzstreckenflügen nicht. Begründung: „Die vorhandenen Toiletten sind von der Größe nicht geeignet, einen Bordrollstuhl aufzunehmen“. Er kann noch nicht einmal bei voriger Anmeldung zur Verfügung gestellt werden.

Nun steht im April eine Geschäftsreise nach Kanada an. Es geht nach Montréal in Quebec. Vielleicht ist diesmal ja alles anders.

Über das Internet buche ich eine Flugreise nach Kanada. Von Hamburg aus geht es mit einen mal Umsteigen in Frankfurt nach Montréal. Alles klasse. Dann suche ich bei den Passagierangaben ein Feld, in dem ich eintragen kann, dass ich beim Einstieg Assistenz wünsche. Aber Fehlanzeige. Diese Angaben sind bei dem Buchungsprozedere nicht vorgesehen.

Also versuche ich mein Anliegen per Email an die Lufthansa zu kommunizieren. Über das Kontaktformular auf der Website informiere ich die Lufthansa über meine Assistenzwünsche. Gleichzeitig stelle ich die Frage nach einer Toilette an Bord des Flugzeugs: Gibt es an Bord der Flugzeuge rollstuhlzugängliche Toiletten? Die Frage stelle ich, weil es auch auf Langstreckenflügen natürlich Ausnahmen gibt. Zum Beispiel beim A300-600, der zwar über einen Bordrollstuhl verfügt. Allerdings muss dieser „außerhalb der Toilette geparkt“ werden. Die Antwort des Unternehmes kommt umgehend. Doch sieht sich die E-Mail Abteilung für die Beantwortung der Fragen nicht zuständig und verweist auf einen Kollegen an der Telefonhotline. Eine Telefonnummer ist der E-Mail beigefügt.

Nach vier Minuten in der kostenpflichtigen Warteschleife erreiche ich eine Hotline Agentin der Zentralen Reservierung. Diese zeigt sich sehr überrascht über meine Frage, ob die Flugzeuge eine rollstuhlgerechte Toilette haben. Sie hat natürlich keine Antwort parat, schickt mich erneut in die Warteschleife und fragt ihre Vorgesetzte. Nach einer Weile meldet sich die Agentin zurück und gibt mir die Auskunft, ich möge bei der MEDA anrufen. Diese könnten mir weiterhelfen. Meine Frage, ob sie nicht für mich die Auskünfte einholen kann, verneint sie. Bei der MEDA ist niemand zu erreichen: „Alle Leitungen besetzt, bitte rufen Sie zu einen späteren Zeitpunkt an oder sprechen Sie auf Band“. Ich spreche auf Band, aber ich werde nicht zurückgerufen. Ich versuche Informationen zur MEDA zu bekommen, finde im Internet jedoch nichts. Auch auf der Internetseite der Lufthansa ist auch nichts über die MEDA zu finden. Ich schlafe erst einmal eine Nacht drüber. Hotlines und Warteschleifengedudel machen einen völlig fertig.
Am nächsten Tag ein erneuter Versuch per Telefon meine Fragen zu klären. Diesmal bei der Hotline für Fragen der Barrierefreiheit. Wie auch tags zuvor kann die Hotlineagentin meine “sehr speziellen” Fragen nicht beantworten. Wieder einmal lande ich in der Telefonwarteschleife, damit die Agentin ihre Hausaufgaben machen kann und sich informiert. 43 Minuten (!) später beenden wir das Gespräch mit dem Verweis seitens der freundlichen, aber in puncto Barrierefreiheit völlig ungeschulten Agentin, mich bei Air Canada zu melden. Das sei die Kooperationsairline von Lufthansa für die Flüge nach Kanada. Die hätten Antworten…

Fakt ist: die Flugzeuge der Lufthansa und auch aller anderen Fluggesellschaften verfügen auf ihren innerdeutschen und innereuropäischen Strecken nicht über behindertengerechte Toiletten. Für Personen mit Mobilitätseinschränkungen, die beispielsweise einen Rollstuhl benutzen, bedeutet dies, dass sie während dieser Zeit keine Toilette aufsuchen und nutzen können. Manchmal sind das zwei Stunden, machmal aber auch bis zu vier Stunden, da sie das das Flugzeug als erstes betreten und als letzter Passagier verlassen müssen. Thrombosegefahr hin oder her, wenn man nicht aufs Klo kommt, trinke ich auf dem Flug nichts.
Und die Politik? Die Europäische Kommission verpasste es, eine entsprechende Klausel in die Verordnung über die Rechte von mobilitätseingeschränkten Flugreisenden mit aufzunehmen. Bis heute sind Fluggesellschaften gesetzlich nicht verpflichtet, einen Bordrollstuhl mitzuführen und rollstuhlzugängliche Toiletten anzubieten. Auch die Bundesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen Frau Evers-Meyer zeigt sich ignorant und abwimmelnd. Zwar bekundet sie Problembewußtsein – man wisse um die Barrieren beim Fliegen – dennoch wird dieser offenkundigen Diskriminierung keine hohe Priorität eingeräumt. So ertönt dann auch aus dem Haus der Bundesbeauftragten „wir haben auch nur begrenzte Ressourcen vor Ort und können uns nicht aller Probleme annehmen“. Dennoch wolle man auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) 2008 die an der Luftfahrt beteiligten Unternehmen für das Thema „sensibilisieren“.

Derweil äußert sich die Lufthansa, dass sie alles in ihrer Macht stehende tue, um auch „unseren Passagieren mit einer eingeschränkten Mobilität den bestmöglichen Komfort und Service zu bieten“. Dass es sich hierbei nicht um Komfort und Service handelt, allen Passagieren den Zugang zu einem Klo zu ermöglichen, verkennt die Lufthansa fast sträfllich. Das Recht in Würde ein Klo nutzen zu können, ist kein Komfortgedanke sondern ein Menschenrecht. Statistiken zeigen, dass ca. 10% der europäischen Bevölkerung eine Behinderung haben. In Zahlen gesprochen macht das 68 Millionen Menschen mit Behinderung. Eine zahlungswillige und große Zielgruppe, die nur darauf wartet, entdeckt und bedient zu werden.

Liebe Fluggesellschaften: Nutzt Eure Chancen, macht das Reisen barrierefrei und kommt endlich an im 21. Jahrhundert!

Swiss against PRM Passengers – a field report

25. April 2008

My Flight from Boston to Zurich with Swiss (Air) on April, 13th 2008 (excerpt of a complaint):

1. From Boston I was escorted on an airport wheelchair to my seat.
2. The problem at the seat was: The armchair could not be lifted, so I said, that I couldn’t make the transfer.
3. The Stewardess did not know what to do.
4. The seating line before me was more appropriate for a transfer, so we finally made it to change my seats.
5. In order to double-check I asked the stewardess whether there was an onboard wheelchair
6. She didn’t know and checked it for 5 minutes.
7. She came back and said: „There is no wheelchair on board“.
8. I asked her to get a wheelchair, since I would like to use the toilet on a 7 hours flight!
9. The wheelchair could finally be organised.
10. Then I asked her whether the wheelchair actually fits into the toilet.
11. She and the Cabin Chef  came to tell me that the wheelchair does not fit into the toilet.
12. Captain Daniel Stalder came and asked me what to do.
13. I said, I don’t know.
14. The captain then said: “Since you are not able to come to the toilet, we have to take you from the plane“.
15. I said, that I would like to try to get on the toilet
16. The captain said the try would take too long; I had to leave the airplane immediately.
17. I insisted on trying it.
18. A passenger – who said next to me – said to the captain that he would be obliged to accommodate me. He should at least let me try to reach the toilet.
19. Both the captain and the cabin chef refused to help me by pushing the wheelchair to the toilet. They said that they were not trained to do it and that it would be their responsibility to do it.
20. The passenger said that she would help me.
21. The passenger got the wheelchair from behind the business class area. The cabin chef did not help her.
22. The passenger pushed the wheelchair it to my seat; I made the transfer to the chair.
23. The passenger pushed me into the direction of the restroom.
24. On the way we to the toilet we got stuck in the carpet. Meanwhile the cabin chef was standing to watch the scenario. He kept his arms folded, even as he saw that we had troubles to get to the restroom.
25. I asked the cabin chef to help us, what he finally did.
26. I took a look to the restroom and said that I would be somehow possible to get onto it.
27. I finally was allowed to stay on the flight

During the discussion all of the participants got increasingly stressed. The captain and the cabin chef were trying to put the blame on me, since I wouldn’t have informed the Airline beforehand. The accusation obviously is not true, since I previously informed United Airlines, both per telephone as well as online, where I added the need of wheelchair assistance to my profile.

Although I said to reach the restroom and use the toilet, it did not mean that the restroom was accessible from now on. In contrast to the sign on the door which showed the blue wheelchair icon the toilet was not at all easily accessible for me. I was forced to make a 180 degree turn, which almost broke my legs. The toilet neither had the space nor appropriate help bars.

Der Gang zur Toilette

4. Januar 2008

gefunden am 4. Januar 2008 auf dem Blog www.barrierefrei-fliegen.de von Christiane Link, in der die Vielfliegerin die Barrierefreiheit in Flugzeugen treffend beschreibt:

Der Gang zur Toilette

Eine der größten Herausforderungen für viele behinderte Menschen, die fliegen, stellt der Gang zur Toilette dar. Die Maschinen sind eng und der Komfort an Bord ist keinesfalls mit den Gegebenheiten am Boden zu vergleichen.

(…)

Die Toiletten im Flugzeug sind sehr eng, noch enger als eine normale Toilettenkabine. Das hat aber den Vorteil, dass man kaum umfallen und sich gut festhalten kann. Rollstuhlfahrer, die nicht gehen können werden mit dem Bordrollstuhl zur Toilette gebracht. Auf Kurz- und Mittelstrecke-Flügen in Europa sind meist keine Bordrollstühle an Bord, das heißt Rollstuhlfahrer können auf diesen Flügen nicht zur Toilette gehen. Oft kommt man nur frontal vor die Toilette, ein seitliches Anfahren ist nicht möglich. In manchen Flugzeugen ist es möglich, den Toilettenraum zu erweitern. Fragen Sie schon bei der Buchung danach! Manchmal ist es aber schon hilfreich, die Tür offen zu lassen und die Sicht mit Vorhängen zu versperren. Bitten Sie dann die Flugbegleiter vor dem Vorhang zu warten und darauf zu achten, dass kein anderer Passagier hinein kommt.

Toilettensituation in Flugzeugen

3. Januar 2008

Um es vorwegzunehmen: Fliegen ist nicht barrierefrei! Da sich dieser Blog ausschließlich mit der Zugänglichkeit von Toiletten beschäftigt, ist der Fokus auf das Erreichen der Toiletten gerichtet. Toiletten in Flugzeugen sind für Menschen mit Gehbehinderung schlichtweg nicht nutzbar.

„Man stelle sich vor drei Stunden in einem Fahrstuhl festzusitzen – das ist in etwa die Zeit, die die deutsche Lufthansa ihren mobilitätseingeschränkten Passagieren zumutet, keine Toilette zu benutzen“

Fluggesellschaften geben zwar an, dass Sie auf Langstreckenflügen sogenannte Bordrollstühle zur Verfügung stellen. Mit Hilfe des Bordrollstuhls wird der PRM (Person mit eingeschränkter Mobilität) vom Sitzplatz bis vor die Toilette gebracht. Der Transfer vom Bordrollstuhl in die enge Toilette ist jedoch nicht möglich.

Zwar werden in den Fliegern die Toiletten mit dem Hinweis ausgezeichnet „Behindertengerechte Toilette“, doch unterscheiden sich diese sogenannten barrierefreien Toiletten nicht von den normalen Klos. Ein Zugang zu den Klos bleibt für PRMs versperrt.

angeblich barrierefreie Toilette im Flugzeug

:: Fotografie einer „behindertengerechten“ Flugzeugtoilette

Noch dringlicher ist die Toilettensituation auf Kurzstreckenflügen. Hier sind die Flugzeugbetreiber offensichtlich nicht verpflichtet einen Bordrollstuhl an Bord zu führen. Die Lufthansa zum Beispiel bietet diesen „Service“ nur auf Langstreckenflügen an:

Sanitäre Einrichtungen

Auf Langstreckenflügen und in unseren Großraumflugzeugen steht in Ihrer Bewegung eingeschränkten Fluggästen ein eigens entwickelter Bordrollstuhl zur Verfügung, mit dem Sie auf Langstrecken auch problemlos die Toiletten nutzen können.

:: Zitat von Lufthansa.de (9.12.2007)

Für Menschen die einen Rollstuhl benutzen, bedeutet dieser Umstand, dass sie 3-4 h – manchmal sogar länger, da sie als erstes das Flugzeug betreten und als letzter Passagier den Flieger verlassen – kein Klo benutzen können.

Angeschriebene Institutionen und Verbände

2. Januar 2008

Warum gibt es an Bord von Flugzeugen auf sogenannten Kurzstreckenflügen keine barrierefreie Toilette?

Folgend eine Liste von Institutionen, Gesellschaften und Verbänden, die mit dieser Fragestellung kontaktiert wurden:

Europäisches Parlament
Europäische Kommission

Landesbeauftragter für Menschen mit Behinderungen S-H
Dr. Ulrich Hase
Bundesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen
Karin Evers-Meyer

Verein NETZWERK ARTIKEL 3 e.V.
Bundesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte eV.
European Disability Forum EDF

Deutsche Lufthansa
Air Canada
United Airlines
Continental Airlines

Airbus

Lufthansa vs Barrierefreiheit

9. Dezember 2007

Auf eine E-Mail Anfrage, welche der eingesetzten Flugzeuge auf einer von mir geplanten Reise nach Kanada über eine „behindertengerechte“ Toiletten verfügen, erhalte ich folgende Antwort per E-Mail:

Wir freuen uns über Ihr Interesse an Lufthansa und sind stets bemüht, unseren Gästen die Flugreise so angenehm wie möglich zu gestalten.

Unsere behinderten Fluggäste haben dabei besondere Bedürfnisse, die wir selbstverständlich mit einem Höchstmaß an individuellem Service erfüllen möchten. Ob es um die Bereitstellung eines Rollstuhls, die Buchung einer Begleitperson oder die Mitnahme eines Blindenhundes geht – unsere Reservierungszentrale hilft Ihnen unter 01805 83 84 26 (0,14 €/Min aus dem Festnetz der Deutschen Telekom; Kosten für Anrufe aus dem Netz eines anderen Teilnehmernetzbetreibers oder aus dem Mobilfunk können abweichen) gerne persönlich weiter.

Nach 4 Minuten in der kostenpflichtigen Warteschleife erreiche ich eine Hotline Agentin. Diese zeigt sich sehr überrascht ob der Frage, welche der Flieger bordrollstuhlgerecht ausgestattet sind. Sie kann die Frage nicht beantworten, schickt mich erneut in die Warteschleife und fragt ihre Vorgesetzte. Nach weiteren Minuten meldet sich die Agentin zurück und gibt mir die Auskunft, ich möge bei der MEDA anrufen. Diese könnten mir weiterhelfen. Meine Frage, ob sie mir meine Fragen in Form einer E-Mail beantworten kann, verneint sie.

Bei der MEDA ist niemand zu erreichen: Alle Leitungen besetzt, bitte rufen Sie zu einen späteren Zeitpunkt an oder sprechen Sie auf Band. Ich spreche auf Band. Ich werde nicht zurückgerufen.

Am nächsten Tag versuche ich es nochmal bei der ausgewiesenen Hotline für Fragen der Barrierefreiheit +49 – 1 80 – 58 38 426 (12 Cent/Min.). Die Hotline Agentin war wie tags zuvor überrascht von meinen „sehr speziellen“ Fragen. Meine spezielle Frage an die Barrierefrei Hotline war : „verfügen Ihre nach Kanada eingesetzten Flugzeuge über bordrollstuhl zugängliche Toiletten?“. Sie parkt mich in der Telefonwarteschleife. 43 Minuten (!) später beenden wir das Gespräch mit dem Verweis seitens der freundlichen, aber in Fragen der Barrierefreiheit ungeschulten Agentin, mich bei Air Canada zu melden. Das sei die Kooperationsairline von Lufthansa für die Flüge nach Kanada.

Die Lufthansa reagierte in diesem Fall im mildesten Sinne kundendesorientiert:

  • Sie ging nicht auf mein favorisiertes Kommunikationsmedium (E-Mail) ein.
  • Sie ließ mich wenigstens eine Stunde lang für einen Telefonservice bezahlen, ohne dass ich die gewünschte Information erhielt.
  • Sie veröffentlicht nur spärliche Information zur Barrierefreiheit (es steht auf den Seiten der Lufthansa nicht geschrieben, dass Menschen mit Mobilitätseinschränkungen auf innereuropäischen Flügen kein Klo benutzen können; es findet sich auf den Seiten der Lufthansa nichts über die Barrierefreiheit der Flugzeugflotte).
  • Sie schult ihr Fachpersonal nicht ausreichend. Denn selbst an der „Hotline für Fragen der Barrierefreiheit“ konnte man mir meine Frage nicht beantworten.

Die neue EU Verordnung

9. Dezember 2007

Im Jahr 2006 wurde die Verordnung über die Rechte von behinderten Flugreisenden (Nr. 1107/2006, PDF) beschlossen. Was bewirkt sie im Hinblick auf barrierefreie Bordtoiletten?

Zwar appelliert die angesprochene Verordnung auch an Flughafenbetreiber und Fluglinien bei der Neuanschaffung oder Neugestaltung von Flugzeugen so weit wie möglich die Bedürfnisse von behinderten und in ihrer Mobilität eingeschränkten Fluggästen zu berücksichtigen. Eine Verpflichtung zur barrierefreien Gestaltung, die den Belangen der Betroffenen in der Praxis tatsächlich gerecht wird, ist damit jedoch nicht verbunden. Leider existieren in Europa auch keine auf die Bedürfnisse behinderter Menschen tatsächlich zugeschnittenen Mindeststandards für die barrierefreie Gestaltung von Flugzeugen. Für einen nicht unerheblichen Personenkreis, wie für Sie, bedeutet dies, dass er trotz vorhandener Hilfeleistungen weiterhin nicht diskriminierungsfrei mit dem Flugzeug verreisen kann.

Das Zitat ist ein Auszug aus einer privaten Korrespondenz mit der Organisation: Bundesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte eV. (E-Mail Antwort vom 4.12.2007).

Zwei Fragen an die Bundesbeauftragte

9. Dezember 2007

Es geht um den Begriff „behindertengerecht“. Dieser wird in Flugzeugen scheinbar wahllos verwendet. Das heißt selbst dann, wenn die Toilettenkabine nicht barrierefrei ist, kann sie als „behindertengerecht“ ausgezeichnet sein. Und das, obwohl eine Person im Rollstuhl häufig noch nicht einmal mit dem Bordrollstuhl durch die Toilettentür kommt.

Im folgenden die beiden Fragen an das Büro der Bundesbeauftragten für Menschen mit Behinderungen:

Erste Frage: Für allgemeine Behinderten WCs gibt es eine DIN-Norm. Gibt es eine solche Norm auch für Behinderten WCs in Flugzeugen?

Antwort: Meines Wissens gibt es für Flugzeuge keine vergleichbare Norm zur DIN18024, mit der u. a. die Beschaffenheit von barrierefreien Toiletten in Gebäuden festgelegt wird.

Zweite Frage: Darf eine Toilette als behindertengerecht bezeichnet werden, selbst
wenn der Transfer vom Bordrollstuhl auf das WC nicht möglich ist (das
WC also gar nicht „behindertengerecht“ ist)?

Antwort: Ich stimme Ihnen aber zu, (…) dass eine Flugzeugtoilette nicht als barrierefrei bezeichnet werden darf, wenn sie nicht von allen Passagieren gleichermaßen ohne fremde Hilfe genutzt werden kann.

27.11.2007 Anfrage an die Bundesbeauftragte
20071127_bundesbeauftragte_anfrage_ii.pdf

07.01.2008 Antwort Büro Bundesbeauftragte
20080108_bundesbeauftragte_antwort.pdf

Brief an die Bundesbeauftragte

9. Dezember 2007

Ist der Bundesbeauftragten für Menschen mit Behinderungen die unzureichende Toilettensituation an Bord von Flugzeugen bekannt? Welche Maßnahmen werden für eine Verbesserung der Toilettensituation für Reisende im Rollstuhl unternommen?

Es folgt ein Auszug aus einer E-Mail an die Bundesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen:

Sehr geehrte Frau Evers-Meyer,

es geht um das Thema barrierefreies Fliegen.

Menschen, die mit einem Rollstuhl auf innereuropäischen Strecken im Flugzeug unterwegs sind, haben keine Möglichkeit eine zugängliche Toilette aufzusuchen.

Die wenig versprechende Antwort aus dem Hause der Bundesbeauftragten lautet (Auszug):

„…ich [kann] Ihnen zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine konkrete Lösung Ihres Problems anbieten…“

Bedacht werden sollte, dass es sich beim Fehlen einer zugänglichen Toilette nicht um ein individuelles Problem handelt, wie es in der Antwort suggeriert wird. Denn allein in Europa haben 68 Millionen Menschen (ca. 10% der Gesamtbevölkerung) eine Behinderung, weltweit sind es 650 Millionen Menschen (siehe: Vereinte Nationen).

20.11.2007 Anfrage an die Bundesbeauftragte
Ist der Bundesbeauftragten die unzureichende Toilettensituation bekannt? Welche Maßnahmen werden für eine Verbesserung der Toilettensituation für Reisende im Rollstuhl unternommen?
20071120_bundesbeauftragte_anfrage.pdf

27.11.2007 Antwort Büro Bundesbeauftragte
Die problematische Toilettensituation sei bekannt. Als konkrete Maßnahme wird angeführt, dass die Bundesbeauftragte im Rahmen der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung 2008 eine Fachkonferenz mit dem Titel „Barrierefreier Luftverkehr – Chancen und Nutzen“ plane.
20071127_bundesbeauftragte_antwort.pdf

Müssen Airlines Bordrollstühle mitführen?

9. Dezember 2007

Folgend eine E-Mail Korrespondenz mit dem Europäischen Parlament und der Europäischen Kommission mit dem Ergebnis:

Europäische Fluglinien sind gesetzlich nicht verpflichtet, Bordrollstühle auf ihren Flügen mitzuführen.

18.12.2006 Anfrage an das Europäische Parlament
Sind Flugzeuggesellschaften gesetzlich verpflichtet eine barrierefreie Toilette an Bord bereitzustellen?
20061218_europaeischesparlament_anliegen.pdf

21.12.2006 Antwort des Europäischen Parlaments
Keine detaillierte Antwort möglich, Verweis auf die Europäische Kommission
20061221_europaeischesparlament_antwort.pdf

21.12.2006 Anfrage an die Europäische Kommission
Sind Flugzeuggesellschaften gesetzlich verpflichtet eine barrierefreie Toilette an Bord bereitzustellen?
20061221_europaeischekommission_anliegen.pdf

05.02.2007 Antwort der Europäischen Kommission
Europäische Fluglinine sind gesetzlich nicht verpflichtet, Bordrollstühle auf ihren Flügen mitzuführen

It is correct that Regulation 1107/2006 itself does not contain as provisions on wheelchair
accessible toilets aboard planes.

20070205_europaeischekommission_antwort.pdf

Linksammlung

7. Dezember 2007

Vereinte Nationen
Universal Declaration of Human Rights
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
The United Nations Action in the Field of Disability
Convention on the Rights of Persons with Disabilities

Europa
VERORDNUNG (EG) Nr. 1107/2006 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES über die Rechte von behinderten Flugreisenden und Flugreisenden mit eingeschränkter Mobilität vom 5. Juli 2006
20060726_eu_verordnung_flugreisen.pdf
Passenger Rights in the European Union

Deutschland
Grundrechte

Artikelsammlung

4. Dezember 2007

Airline Passenger Service Commitment

3. Dezember 2007

Das Airline Passenger Service Commitment ist eine Verpflichtungserklärung der Airlines für Passagierservice. Sie enthält außergerichtlich bindende Verpflichtungen zu bestimmten Servicestandards für Fluggäste.

Inkrafttreten: Sie gilt ab dem 26. Juli 2008, mit Ausnahme der Artikel 3 und 4, die ab dem 26. Juli 2007 gelten. (Quelle: VERORDNUNG (EG) Nr. 1107/2006 – PDF)

Unter anderem erklären die Unterzeichner Airlines, dass sie:

8. Passagieren mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit und Passagieren mit besonderen Bedürfnissen helfen

Jede Airline wird bekannt geben, welchen Service sie gemäß den geltenden Sicherheitsvorschriften Passagieren mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit und Passagieren mit besonderen Bedürfnissen bieten kann. In Bezug auf Passagiere mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit erklären die Airlines, entsprechend den beigefügten Richtlinien über „Hilfestellungen für Menschen mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit“ zu handeln.

9. essenziellen Bedürfnissen der Passagiere während lang andauernder Verzögerungen an Bord gerecht werden

Die Airlines werden sich im Rahmen des Sicherheitsreglements für Passagiere und Personal auf jede angemessene Weise bemühen, die Passagiere an Bord eines Flugzeugs, das für längere Zeit und ohne Zugang zum Terminal am Boden bleibt, mit Essen, Wasser, Toiletten und medizinischer Versorgung zu versorgen.

14. auf Beschwerden der Passagiere eingehen

Unter normalen Umständen wird jede Airline auf eine schriftliche Beschwerde innerhalb von 28 Tagen nach Eingangsdatum mit einer ausführlichen Antwort reagieren. Sofern dieser Zeitraum nicht für eine gründliche Bearbeitung der Beschwerde ausreicht, wird eine Zwischenantwort verschickt, die den Grund der Verzögerung erklärt. Jede Airline wird eine für Passagiere gut erreichbare Beschwerdestelle einrichten und deren Anschrift und/oder Telefonnummer sowie den Abteilungsnamen dieser Stelle in den Flugplänen, auf Websites und jeder anderen öffentlichen Informationsquelle bekannt geben. Diese Angaben werden auch bei allen anerkannten Reisebüros der Airlines vorliegen.
ANLAGE

HILFESTELLUNGEN FÜR MENSCHEN MIT EINGESCHRÄNKTER BEWEGUNGSFÄHIGKEIT (PRMs)

Einleitung

Ziel dieses Dokuments ist es, Menschen, die in ihren Bewegungsmöglichkeiten eingeschränkt sind, den Zugang zu Flugreisen zu erleichtern, indem wir gewährleisten, dass ihre Sicherheit und ihre Würde respektiert und dass die spezifischen Bedürfnisse dieser Passagiere verstanden und berücksichtigt werden. Es richtet sich an Airlines mit Diensten und Einrichtungen an Flughäfen und in Flugzeugen und soll als Grundlage verstanden werden, auf der ein (oder mehrere) freiwilliger Verhaltenskodex entwickelt werden kann. Bei der Entwicklung solcher Kodizes werden die entsprechenden Bestimmungen der Europäischen Zivilluftfahrtskonferenz (European Civil Aviation Conference = ECAC), Dokument 30 (Abschnitt 5) und der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation (International Civil Aviation Organisation = ICAO, Anlage 9), berücksichtigt. Diese Dokumente bieten technische Informationen und wurden nach ausführlichen Beratungen mit der Luftfahrtindustrie von Regierungsstellen erstellt, die für die Festlegung von Normen und empfohlenen Verhaltensweisen verantwortlich sind.
Ausgangspunkte

1. PRMs haben die gleichen Rechte auf Bewegungsfreiheit und Wahlfreiheit wie andere Bürger. Dies gilt für Flugreisen genauso wie für alle anderen Lebensbereiche.

3. PRMs müssen alle Informationen erhalten, die für die Planung und Durchführung ihrer Reise erforderlich sind.

5. Behinderungen sollten nicht als Krankheit betrachtet werden und von PRMs darf daher nicht als Reisebedingung gefordert werden, dass Sie ärztliche Erklärungen über ihre Behinderung vorlegen.

7. Das Personal wird in Kursen angemessen geschult, um die Bedürfnisse von PRMs zu verstehen und ihnen gerecht zu werden.

9. PRMs müssen in die Lage versetzt werden, so unabhängig wie möglich zu bleiben.

weiterführende Links

Anwaltssozietät Bird & Bird:
Regulation EC 1107/2006

Air Transport Portal of the European Commission
Passenger Rights in the European Union