Bahn mit 1. Klasse Barriere

wc_bahn

Toilettenproblem in der Bahn

„Sie müssen heute erste Klasse fahren“ empfängt mich das freundliche Servicepersonal am Bahnhof in Bonn. Einer Aufforderung, der ich gerne folge.

Per Hublift geht’s in den Zug – die Fernzüge der deutschen Bahn sind nur über eine solche Hilfskonstruktion für Rollstühle zugänglich. Ein Anachronismus, der sich hartnäckig hält. Wie beim ersten VW Käfer, der auch noch über einen Tritt für den Einstieg verfügte, so wie es bei den alten Wagenkutschen eben üblich war.

Kaum im Waggon fällt mir ein Schild ins Auge, das von der Toilettentür flattert: Klo unbenutzbar.

Die einzige barrierefreie Toilette im ganzen Zug, und dann kaputt! Unten vereist und oben überschwemmt.

Für gewöhnlich gibt es zwei rollstuhlgerechte Klos im Intercity, eines in der ersten, das andere in der zweiten Klasse. Heute fehlt dem Zug Wagen 9 und somit ein alternatives Klo.

Logbuch verrät: Klo seit vier Tagen defekt

Nun, es ist nicht das erste Mal, dass ich mit der Bahn fahre und das Klo ausfällt. Es ist schließlich das Größte und Schönste und alle gehen gerne drauf, wenn man schon mal muss im Zug. Deswegen verstopft es auch schneller als die anderen Klos. Verständlich.

Der eigentliche Hammer kommt aber noch. Aus reiner Neugier frage ich den Schaffner, wie lange die Toilette denn schon defekt sei. Zwei bis drei Stunden denke ich insgeheim.

Weit gefehlt! Seit vier Tagen ist das WC als defekt gemeldet. So steht es im Logbuch. Meine erste Reaktion: Ich möchte unbedingt ein Foto von dem Eintrag machen. Darf es dann aber nicht.

Der Schaffner schaut mich etwas hilflos an, entschuldigt sich und murmelt so etwas wie peinlich vor sich hin.

Ich habe mir vorgenommen, in diesem Blog vor allem über Klos im Flieger zu schreiben. Es hat eine andere Qualität, über den Wolken kein Klo zu haben als in der Bahn. An Land kann die Reise an den vielen Bahnhöfen notfalls unterbrochen werden, im Flieger ist das Gefühl ausgeliefert zu sein viel stärker.

Dennoch, diese Anekdote wollte ich euch nicht vorenthalten. Auch weil sie eine prinzipielle Einstellung der Bahn in Punkto Barrierefreiheit offenbart.

Hier eine Liste der wichtigsten Versäumnisse:

  • Selbst moderne Züge wie der ICE sind nur über Stufen erreichbar
  • Hublifte sind nicht an allen Bahnhöfen verfügbar
  • Wer im Rollstuhl reist, kann dies nur in der Zeit zwischen 6 Uhr morgens und 22:30 Uhr abends. Nur dann  steht Personal für die Bedienung der Hublifte bereit.
  • Barrierefreie Toiletten sind Mangelware und häufig unbenutzbar

Angesichts der massiven Mängel kann der Eindruck entstehen, dass es der Deutschen Bahn weitestgehend egal ist, einen barrierefreien Zugang für Passagiere mit Mobilitätseinschränkung zu schaffen.

Nachtrag

Antwort der Bahn (18.1.2010)

Bitte haben Sie jedoch Verständnis dafür, dass uns bei technischen Defekten während der Zugfahrt nur eine begrenzte Anzahl an Möglichkeiten zur Verfügung steht. So prüfen wir, ob ein Techniker vor Ort tätig oder eine andere Lösung gefunden werden kann.

Bitte entschuldigen Sie, dass eine kurzfristige Reparatur der Toilette nicht möglich war.

Bitte haben Sie jedoch Verständnis dafür, dass uns bei technischen Defekten während der Zugfahrt nur eine begrenzte Anzahl an Möglichkeiten zur Verfügung steht. So prüfen wir, ob ein Techniker vor Ort tätig oder eine andere Lösung gefunden werden kann.

Bitte entschuldigen Sie, dass eine kurzfristige Reparatur der Toilette nicht möglich war.

5 Reaktionen zu “Bahn mit 1. Klasse Barriere”

  1. Trudi

    Naja, defekte Klos gibt es ja überall, nicht nur hier. Glaube das Problem wäre schon sehr groß, wenn es kein anderes in der Nähe gäbe…

  2. Beri

    Da erzähle ich doch gleich noch von meinem Erlebnis im nicht defekten Behinderten-Klo im ICE vor 3 Wochen:

    Ich saß gerade auf dem Örtchen, stützte mich dabei auf die neben dem Klo befindlichen Armstützen und rrrrrrrrumms! knallt mir mit voller Wucht der Wickeltisch auf den Oberarm. Es handelt sich hierbei ganz offensichtlich um einen massiven Tisch, der nur sehr notdürftig mit einer Art Haken an der Wand befestigt ist. Oder eben auch nicht – wie in meinem Fall.

    Wegen des heftigen Schmerzes schrie ich laut auf, was aber offensichtlich niemand hörte. Auch der große rote Notrufknopf, den ich daraufhin drückte, fand keinerlei Beachtung. Gott sei Dank hatte ich mir den Arm nicht gebrochen. So konnte ich mich etwa 20 Minuten später trotz der Schmerzen selbst wieder anziehen und in den Rolli umsetzen.

    Um die Kabine verlassen zu können, musste ich eine vorbei gehende Schaffnerin anhalten und um Hilfe bitten. Denn der runter geknallte Wickeltisch füllte die Hälfte des RAumes aus und machte das Rangieren mit dem Rolli unmöglich. Da der Tisch sehr schwer ist, konnte ich ihn auch nicht mit eigener Kraft wieder hoch klappen.

    ——
    Was das Problem anbelangt, dass die meisten Leute das Behinderten-Klo benutzen, gäbe es eine ganz einfache Lösung: Wäre das Klo abgeschlossen und mit dem Euro-Schlüssel zu öffnen, hätten auch wir Rolli-Fahrer gelegentlich die Chance, das Klo ohne lange Wartezeiten benutzen zu können.

    lg
    Beri

  3. admin

    @Beri

    habe die Bahn vor kurzem (13.5.2010) auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht, das Universalklo mit einem Euroschlüsselsystem zu versehen – wenigstens dann, wenn ein Rollstuhl vorgemeldet wurde. Mal sehen, was sie sagt…

  4. Beri

    @ admin

    Hast du denn von denen mittlerweile eine Reaktion bekommen?

  5. Jürgen

    Es scheint so, dass die Bahn sogar inzwischen in der 1. Klasse auf Behinderten-WC verzichtet, denn „nach“ der Buchung einer Reise von Köln nach Ingolstadt (immerhin 5h Fahrt im Zug ohne Umsteigen) schrieb man meiner Frau in der Buchungsbestätigung:

    „Beachten Sie desweiteren, dass sich in der 1.Klasse kein behindertengerechtes WC befindet.“

    UNGLAUBLICH!!!

    LG,
    Jürgen

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